
Kernaussagen
- Der Nasdaq stieg auf neue Rekordstände, weil gute Unternehmenszahlen aus dem KI-Umfeld (Künstliche Intelligenz) die Risikobereitschaft stützten.
- Der US-Dollar (USD) legte zu: Robuste US-Konjunkturdaten dämpften die Erwartungen an baldige Zinssenkungen der US-Notenbank (Fed).
- Gold startete im Mai fest, fiel dann aber deutlich, weil Anleiherenditen und der Dollar stiegen.
- Öl blieb schwankungsanfällig: Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran verschoben laufend den Risikoaufschlag für mögliche Lieferausfälle.
- Bitcoin verlor nach der Rallye Anfang Mai an Schwung und rutschte wieder in eine Korrektur (Gegenbewegung nach einem Anstieg).
Marktrückblick Mai
Im Mai blieb der Markt im „Risk-on“-Modus (Anleger kaufen eher riskantere Anlagen wie Aktien), doch die Kursführung konzentrierte sich erneut auf wenige Werte. US-Aktien waren am stärksten: Nasdaq und S&P 500 erreichten Rekorde, weil Anleger weiter auf KI, Halbleiter, Cloud-Infrastruktur (Rechenleistung und Speicher aus dem Internet) und die Gewinne großer Technologiekonzerne setzten. Beide Indizes schlossen gegen Monatsende auf Rekordniveau – getragen von KI-Optimismus und Hoffnungen auf eine längere Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran.
Das Umfeld war weniger eindeutig. Stärkere US-Daten und anhaltender Inflationsdruck ließen die Märkte Zweifel bekommen, wie schnell die Fed die Zinsen senken kann. Das stützte den USD und belastete Gold, Silber und Kryptowährungen in der zweiten Monatshälfte. Inflationssorgen drückten zur Monatsmitte auf die Stimmung an der Wall Street. Energiepreise blieben schwankungsanfällig, daher achteten Anleger besonders auf die Inflationsrate in den Schlagzeilen.
Geopolitik blieb wichtig. Das lange erwartete Treffen zwischen Xi Jinping und Donald Trump in Peking verbesserte den Ton in den US-China-Beziehungen, brachte aber vor allem mehr Ruhe statt eines Durchbruchs. Trump reiste mit freundlichen Worten ab, ohne große Ergebnisse. China stellte später erste Zollsenkungen in Aussicht und signalisierte Fortschritte beim Marktzugang für Agrarprodukte.
Öl blieb der klarste geopolitische Belastungsfaktor. Gespräche zwischen den USA und dem Iran sorgten für schnelle Ausschläge nach oben und unten, weil Händler auf jedes Zeichen von Fortschritt oder Stillstand reagierten. Bitcoin zeigte ebenfalls ein gemischtes Bild: zunächst Anstieg mit anderen Risikoanlagen, später Rückgang, als ein festerer USD und höhere Renditen die Finanzierungsbedingungen straffer machten.
Dollarstärke prägt wichtige Währungen
Der Devisenmarkt (Forex) wurde im Mai von neuer USD-Stärke bestimmt.
Der Dollar stieg, weil die US-Konjunkturdaten robust blieben und Händler den Zeitpunkt möglicher Fed-Zinssenkungen neu bewerteten. Stärkere Arbeitsmarktdaten, solide Konsumausgaben und „klebrige“ Inflation (Inflation geht nur langsam zurück) hielten US-Staatsanleiherenditen zeitweise hoch. Das machte den USD attraktiver gegenüber Währungen, deren Notenbanken näher an Zinssenkungen wirken.
USDCAD zeigte den Wechsel klar. Der 4‑Stunden‑Chart (Kursverlauf in 4‑Stunden‑Kerzen) zeigt einen stetigen Anstieg im Mai: Der Kurs blieb über dem gleitenden Durchschnitt (Durchschnittskurs der letzten Perioden als Trendlinie) und markierte wiederholt höhere Hochs. Der kanadische Dollar (CAD) tat sich schwer, weil die allgemeine USD-Stärke mögliche Unterstützung durch schwankende Energiepreise überlagerte.

Abb. 1: 4‑Stunden‑Chart USDCAD – anhaltende USD-Stärke gegenüber CAD im Mai
Der Trend bleibt positiv, solange der Kurs über dem gleitenden Durchschnitt liegt. Ein Rücksetzer bis zur Trendstütze würde zeigen, ob die Dollarstärke breit genug ist, um bis in den Juni zu tragen.
Wichtig ist, ob US-Daten weiter über den Erwartungen liegen. Dann kann der Dollar fest bleiben, selbst bei guter Aktienlaune. Ein Bruch unter diese Linie würde auf nachlassenden USD-Schwung hinweisen.
Der Euro geriet ebenfalls unter Druck, weil die Märkte bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eher Zinssenkungen einpreisten als bei der Fed. Der japanische Yen (JPY) blieb schwach, da die Bank of Japan trotz Währungsschwankungen vorsichtig blieb. Das britische Pfund (Sterling) hielt sich zeitweise besser, gestützt von besseren UK-Daten, doch die USD-Stärke begrenzte das Potenzial.
Ausblick auf wichtige Metalle
Gold und Silber starteten im Mai fester, doch die Aufwärtsbewegung verlor im Monatsverlauf an Kraft.
Gold profitierte zunächst von milderen Inflationssignalen, geopolitischer Unsicherheit und der Erwartung, dass die Fed später im Jahr die Zinsen senken könnte. Silber erhielt zusätzlich Unterstützung, weil es auch in der Industrie genutzt wird – etwa in der Fertigung und in KI-bezogener Hardware. Die Stärke hielt jedoch nicht an.
In der zweiten Maihälfte übernahmen stärkere US-Daten, höhere Renditen von US-Staatsanleihen und ein festerer USD die Kontrolle. Gold fiel im 4‑Stunden‑Chart unter den gleitenden Durchschnitt und rutschte bis Monatsende in Richtung 4.386 US‑Dollar. Das zeigt klar: Nach dem Scheitern, frühere Gewinne zu halten, ging der Schwung verloren.
Silber schwankte stärker als Gold, weil es auch von Erwartungen an die Industrienachfrage abhängt. Langfristig bleiben beide Metalle durch Themen wie Käufe von Zentralbanken zur Streuung der Währungsreserven (Diversifikation), geopolitische Unsicherheit und die Erwartung später sinkender Zinsen unterstützt.

Abb. 2: 4‑Stunden‑Goldchart – frühe Stärke, schwächerer Ton zum Monatsende
Gold wechselte von einer Seitwärtsphase (Kurs bewegt sich in einer Spanne) in Abwärtsdruck. Eine Erholung über den gleitenden Durchschnitt würde das negative Bild entspannen. Gelingt das nicht, bleiben Verkäufer im Vorteil.
Entscheidend ist, ob sich Gold nach dem späten Mai-Einbruch stabilisiert. Bleibt der USD fest, könnten Erholungen schnell wieder auslaufen.
Öl bleibt Teil des Konflikts
Öl blieb im Mai stark nachrichtengetrieben und schwankungsanfällig.
Die Rohölpreise bewegten sich weiter in der breiten Spanne, die seit Beginn des Konflikts gilt. Der Tageschart zeigt, dass der Kurs sowohl am oberen als auch am unteren Rand wiederholt abprallte – ohne klaren Ausbruch. Der Markt steht zwischen zwei Kräften: Risiko von Lieferausfällen und die Chance auf eine diplomatische Lösung, die iranische Exporte erhöhen könnte.
Die US-Iran-Gespräche blieben der wichtigste Auslöser. Öl fiel Ende Mai in einer Woche um mehr als 8%, nachdem Berichte über eine mögliche Verlängerung einer Waffenruhe und eine Lockerung von Beschränkungen für die Schifffahrt durch die Straße von Hormus kursierten. Brent rutschte von einem Wochenhoch nahe 109,47 US‑Dollar bis auf 87,11 US‑Dollar, bevor sich der Preis stabilisierte.
Das Risiko ist nicht weg. Die USA verhängten am 28. Mai neue Sanktionen gegen Irans militärnahen Ölhandel und nahmen Schiffe sowie Unternehmen ins Visier, die mit iranischem Rohöl und Erdölprodukten verbunden sind. Das zeigt: Diplomatie und Druck laufen parallel – der Markt bleibt anfällig für schnelle Richtungswechsel.

Abb. 3: Tageschart Öl – Kurs bleibt in der breiten Konflikt-Spanne
Öl bleibt in einer Handelsspanne, trotz starker Ausschläge durch Schlagzeilen. Ein Bruch nach unten würde darauf hindeuten, dass diplomatische Fortschritte den Risikoaufschlag verringern. Ein Ausbruch nach oben spräche für neue Sorgen um das Angebot.
Wichtig ist, ob die Gespräche zu einer bestätigten Vereinbarung führen. Bis dahin dürfte Rohöl auch Richtung Juni zu den reaktivsten Märkten gehören.
Indizes spiegeln bessere Unternehmenszahlen wider
Aktien waren im Mai die stärkste große Anlageklasse.
Der Nasdaq führte erneut, getragen von KI-Optimismus, Nachfrage nach Halbleitern und starken Unternehmenszahlen großer Tech-Konzerne. Der 4‑Stunden‑Chart zeigt den Ausbruch über die Unterstützungszone von Ende April (Bereich, in dem der Kurs zuvor immer wieder Halt fand), einen kräftigen Anstieg und neue Rekorde, bevor es zum Monatsende zu einem moderaten Rücksetzer kam, als die Anlegerstimmung schwankte.
AMD sprang um fast 19%, nachdem das Unternehmen einen Quartalsumsatz über den Erwartungen in Aussicht stellte – getrieben von starker Nachfrage nach Rechenzentrum-Chips. Das stützte Halbleiterwerte und andere KI-Aktien. Später halfen KI-Optimismus und Zeichen diplomatischer Fortschritte im Nahen Osten den Rekordschlüssen von S&P 500 und Nasdaq.
Außerhalb des Technologiesektors war das Bild gemischt. Rohstoffnahe Branchen schwankten stärker wegen der Ölausschläge. Europäische und asiatische Märkte folgten der Wall Street meist, aber mit kleineren Gewinnen. Die US-Führung blieb klar, wirkte jedoch zunehmend von wenigen sehr großen Tech-Konzernen abhängig (Mega-Caps = Unternehmen mit extrem hoher Börsenbewertung).

Abb. 4: 4‑Stunden‑Nasdaq‑Chart – neue Rekordhochs im Mai
Der Aufwärtstrend bleibt intakt, solange der Kurs über dem steigenden gleitenden Durchschnitt und über den früheren Ausbruchsbereichen liegt. Ein stärkerer Rücksetzer würde testen, ob Käufer nach dem starken Mai-Lauf überzeugt bleiben.
Wichtig ist, ob der Schwung aus KI-Unternehmenszahlen anhält. Bleiben die Ergebnisse stark, könnte der Nasdaq auch im Juni führend bleiben. Ein tieferer Rücksetzer würde zeigen, ob KI-getriebene Nachfrage den Trend weiter stützt.
Krypto in der Korrektur
Bitcoin hatte einen wechselhaften Mai.
Der Monat begann mit mehr Schwung, weil die Risikobereitschaft stieg und institutionelle Nachfrage (große Anleger wie Fonds) unterstützte. In der zweiten Monatshälfte ließ die Stärke nach: Der USD erholte sich, Renditen stiegen, und Händler nahmen nach der frühen Rallye Gewinne mit.
Der Tageschart zeigt Bitcoin noch über den Tiefs von Februar und März, doch die jüngsten Kerzen deuten auf eine Korrekturphase hin. Der Kurs fiel unter den gleitenden Durchschnitt und testet den unteren Bereich der jüngsten Erholung. Das bestätigt noch keinen größeren Abwärtstrend, zeigt aber nachlassenden Schwung.
Der Zusammenhang mit dem makroökonomischen Umfeld bleibt wichtig. Anfang Mai ließ die Handelsdynamik bei Krypto nach: Strengere Finanzierungsbedingungen (z. B. teurere Kredite) und politische Unsicherheit, unter anderem rund um den CLARITY Act (US-Gesetzesinitiative für klarere Regeln), belasteten die Risikobereitschaft. Ende Mai kehrte das Thema zurück, weil starke US-Daten die Erwartungen an eine schnelle Fed-Lockerung senkten.

Abb. 5: Tageschart Bitcoin – Schwäche Ende Mai innerhalb einer breiteren Seitwärtsphase
Bitcoin bleibt in einer Korrektur. Eine Erholung über den gleitenden Durchschnitt würde das Bild verbessern. Weitere Rückgänge könnten die Unterkante der größeren Seitwärtszone wieder in den Fokus rücken.
Entscheidend ist, ob Bitcoin schnell wieder Schwung aufnimmt. Bleiben USD und Renditen hoch, könnten Kryptowährungen weiter hinter Aktien zurückbleiben.
Frühe Signale für Juni 2026
Der Juni startet mit einem Spannungsfeld: starke Aktiendynamik, aber ein vorsichtigeres Konjunkturumfeld.
- Fed. Starke US-Daten und hartnäckige Inflation machen Zinssenkungen unsicherer. Bleiben Inflation, Jobs und Konsum robust, könnten Märkte länger hohe Zinsen einpreisen („higher for longer“ = länger höhere Zinsen). Das stützt den USD, kann aber Gold, Krypto und zinsabhängige Aktienbereiche belasten.
- Öl. Die US-Iran-Verhandlungen bleiben der Haupttreiber. Eine bestätigte Verlängerung der Waffenruhe und leichterer Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus könnten Öl drücken und den Inflationsdruck senken. Scheitern die Gespräche oder nehmen Sanktionen zu, kann der Risikoaufschlag schnell wieder steigen.
- Aktienführung. Der Nasdaq zog den Markt nach oben, doch die Rally hängt davon ab, ob KI-nahe Gewinne die hohen Bewertungen weiter rechtfertigen. Ein normaler Rücksetzer wäre unkritisch, ein stärkerer Einbruch bei großen Tech-Werten könnte die Indizes insgesamt belasten.
- US-China-Beziehungen. Das Treffen Xi–Trump verbesserte die Stimmung, nun zählen Taten. Handel, Zugang zu Technologie, Landwirtschaft und Lieferkettenpolitik bleiben Felder, in denen Erwartungen schnell enttäuscht werden können.
Für Juni zeichnet sich ein selektiver Markt ab. US-Aktien können bei starken Gewinnen unterstützt bleiben. Dollarstärke, Öl-Schwankungen und geringere Erwartungen an schnelle Zinssenkungen könnten Gold, Krypto und einige Märkte außerhalb der USA belasten.

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