Was ist das FOMC? Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (Federal Open Market Committee) erklärt

by VT Markets
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Aug 3, 2026

Wichtigste Punkte

  • Das Federal Open Market Committee (FOMC) ist das geldpolitische Entscheidungsgremium der Federal Reserve (US-Notenbank). Es legt die Geldpolitik fest – also wie teuer Kredite sind und wie viel Geld im Finanzsystem zirkuliert. Diese Entscheidungen zählen zu den einflussreichsten weltweit.
  • Das FOMC tagt achtmal pro Jahr, etwa alle sechs bis acht Wochen. Die Entscheidung wird am zweiten Sitzungstag um 14:00 Uhr ET veröffentlicht, danach folgt um 14:30 Uhr eine Pressekonferenz (Fragerunde mit dem Fed-Chef).
  • Seit der FOMC-Sitzung am 17./18. März 2026 liegt die Zielspanne für den Federal Funds Rate (Leitzins für Tagesgeld zwischen Banken) bei 3,50%–3,75%. Sie blieb unverändert nach der Senkung um 0,25 Prozentpunkte im Dezember 2025.
  • Der Zusammenhang FOMC und Gold ist oft direkt: Signalisiert die Federal Reserve Zinssenkungen, steigt Gold häufig. Signalisiert sie eine straffere Geldpolitik, fällt Gold oft. In Krisen (z. B. geopolitische Spannungen) kann sich das zeitweise umkehren.
  • Die FOMC-Sitzung am 16./17. Juni 2026 ist Kevin Warshs erste als Fed-Chef und enthält neue Projektionen (Summary of Economic Projections, Dot Plot = Zins-Punktdiagramm). Das macht sie zu einem der wichtigsten Termine 2026 für die Finanzmärkte.
  • Wer versteht, was das FOMC ist, wie die Mitglieder- und Stimmstruktur funktioniert und warum Beschlüsse weltweite Finanzmärkte bewegen, hat einen zentralen Vorteil beim Handel.

Acht Termine pro Jahr bewegen alle Märkte – und viele Trader verstehen trotzdem nicht, warum

Achtmal im Jahr trifft sich in Washington D.C. ein Gremium aus Ökonomen und Chefs regionaler Notenbanken. Der Terminplan wird vorab vom Federal Reserve Board (Leitungsgremium der Fed) veröffentlicht. Thema ist die wichtigste Frage: Was passiert mit den Zinsen in der größten Volkswirtschaft der Welt?

Sekunden nach der Veröffentlichung reagieren Märkte: Währungen bewegen sich, Gold springt, US-Indizes eröffnen mit Kurslücken, Renditen von Staatsanleihen ändern sich. Das ist das Federal Open Market Committee – das FOMC. Wer versteht, wie es arbeitet, wer dort sitzt und wie Entscheidungen auf weltweite Finanzmärkte wirken, kann Risiken besser steuern.

Dieser Leitfaden erklärt: Was ist das FOMC, wie ist die Mitgliedschaft aufgebaut, was passiert in einer FOMC-Sitzung, wie FOMC-Signale Gold und andere Märkte bewegen und was der FOMC-Kalender 2026 für Trader bedeutet.

What Is FOMC? Federal Open Market Committee Explained

Was ist das FOMC?

Das Federal Open Market Committee (FOMC) ist das Gremium der Federal Reserve (US-Notenbank), das die Geldpolitik festlegt. Es steuert vor allem die Offenmarktgeschäfte: Die Notenbank kauft oder verkauft Staatsanleihen sowie bestimmte Anleihen staatlicher US-Agenturen. Diese Käufe/Verkäufe finden am Markt statt und sollen die Geldmenge und die Bankreserven (Guthaben der Banken bei der Fed) so beeinflussen, dass sich Zinsen in der gesamten Wirtschaft entsprechend bewegen.

Der Name bezieht sich auf dieses Hauptinstrument. Will das FOMC Zinsen senken, weist es den Handelstisch (die operative Handelsabteilung) der New Yorker Fed an, Staatsanleihen zu kaufen. Dadurch fließen zusätzliche Reserven ins Bankensystem, kurzfristige Zinsen sinken meist. Will das FOMC Zinsen erhöhen, verkauft es Wertpapiere: Reserven werden dem System entzogen, kurzfristige Zinsen steigen.

Rechtsgrundlage ist der Federal Reserve Act (Gesetz zur Organisation der US-Notenbank). Er definiert auch das Doppelmandat: maximale Beschäftigung und Preisstabilität (niedrige, stabile Inflation).


Wer sitzt im FOMC? So ist das Gremium aufgebaut

Die Zusammensetzung des FOMC ist technisch, aber wichtig: Sie erklärt, warum bestimmte Stimmen in jeder FOMC-Sitzung mehr Gewicht haben.

Das Board of Governors

Das Board of Governors (Fed-Direktorium) besteht aus bis zu sieben Mitgliedern. Sie werden vom US-Präsidenten ernannt und vom Senat bestätigt. Das Federal Reserve Board sitzt in Washington D.C. Alle Mitglieder sind dauerhaft stimmberechtigt im FOMC. Vorsitz und Stellvertretung leiten das Gremium – 2026 übernahm Kevin Warsh den Vorsitz.

Die Präsidenten der regionalen Federal-Reserve-Banken

Die Fed hat zwölf regionale Notenbanken, unter anderem in New York, Chicago, Boston, San Francisco, Kansas City, Dallas und Atlanta. Der Präsident der New Yorker Fed hat dauerhaft eine Stimme im FOMC, weil die New York Fed die Offenmarktgeschäfte praktisch umsetzt und das zentrale Wertpapier-Portfolio der Fed verwaltet (das Open Market Account).

Die übrigen elf Präsidenten rotieren in einem Dreijahres-Rhythmus durch die Stimmsitze. Zu jedem Zeitpunkt sind vier von ihnen stimmberechtigt. Damit hat das FOMC insgesamt zwölf stimmberechtigte Mitglieder: sieben aus dem Board of Governors, den Präsidenten der New York Fed sowie vier rotierende Regionalpräsidenten.

Teilnehmer ohne Stimmrecht

Regionalpräsidenten ohne Stimmrecht nehmen an jeder FOMC-Sitzung teil und diskutieren mit. Sie bringen Konjunkturdaten und ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Lage ein, stimmen aber nicht über die Geldpolitik ab. Sie können die Debatte dennoch prägen, etwa durch Kritik oder abweichende Meinungen. Formale Beschlüsse werden nur von den jeweils stimmberechtigten FOMC-Mitgliedern gefasst.

Wechsel der FOMC-Stimmrechte

Die Rotation der regionalen Stimmsitze erfolgt jeweils zur ersten regulären Sitzung eines Jahres. Die Regionalbanken sind in Gruppen organisiert; pro Gruppe übernimmt jedes Jahr ein Präsident den Stimmsitz. So bleibt die regionale Balance erhalten. Bei einer Vakanz kann ein kommissarischer Präsident zeitweise übernehmen.


Wie läuft eine FOMC-Sitzung ab?

Entscheidend ist nicht nur die Zinszahl: Auch die Formulierungen in der Erklärung und der Ton der Pressekonferenz bewegen Märkte.

Vorbereitung vor dem Termin

Wochen zuvor erstellen die Regionalpräsidenten und die Mitarbeiter des Federal Reserve Board Unterlagen, Modelle und Prognosen. Das Beige Book (öffentlicher Bericht zur Lage in den zwölf Fed-Regionen) erscheint meist rund zwei Wochen vor der Sitzung. Der Handelstisch der New York Fed erstellt zudem einen Bericht zur Entwicklung der Finanzierungsbedingungen und zu Transaktionen im Open Market Account seit der letzten Sitzung.

Die Sitzung über zwei Tage

Reguläre Sitzungen dauern meist zwei Tage. Am ersten Tag präsentieren Ökonomen den Ausblick. Regionalpräsidenten und Mitglieder des Board of Governors schildern ihre Sicht und diskutieren Optionen. Am zweiten Tag berät das FOMC abschließend und stimmt ab.

Zum Abschluss veröffentlicht das FOMC um 14:00 Uhr ET die Erklärung. Darin stehen Zinsentscheidung, Einschätzung der Lage und Begründung. Um 14:30 Uhr ET folgt die Pressekonferenz des Vorsitzenden.

Das Sitzungsprotokoll („Minutes“)

Die FOMC-Minutes (ausführliches Protokoll der Diskussion) erscheinen drei Wochen nach der Sitzung. Sie zeigen, wie groß die Spannweite der Meinungen war. Märkte reagieren oft, wenn das Protokoll mehr Uneinigkeit erkennen lässt als die erste Erklärung.


Der FOMC-Terminplan 2026

Das FOMC hat acht reguläre Sitzungen pro Jahr. 2026 sind es:

SitzungstermineSEP / Dot Plot?Kontext
27.–28. Januar 2026NeinErste Sitzung 2026; Rotation der Stimmrechte wird wirksam
17.–18. März 2026★ JaZinsen bei 3,50%–3,75%; neue Projektionen
28.–29. April 2026NeinZuletzt abgeschlossene Sitzung
16.–17. Juni 2026★ JaErste Sitzung unter Kevin Warsh; neues Punktdiagramm
28.–29. Juli 2026Nein
15.–16. September 2026★ Ja
27.–28. Oktober 2026Nein
8.–9. Dezember 2026★ JaLetzte Sitzung 2026

Quellen: PrimeRates – Federal Reserve Meeting Schedule 2026 | Equals Money – Next FOMC Meeting | Federal Reserve Board

Die vier mit Stern markierten Sitzungen enthalten die Summary of Economic Projections (SEP, Wirtschafts- und Zinsprognosen der Fed) und das Dot Plot (Punktdiagramm: jeder Punkt steht für die Zinserwartung eines Mitglieds). Diese Termine bewegen Märkte besonders stark, weil sie den erwarteten Zinsweg sichtbar machen.

Die FOMC-Sitzung am 16./17. Juni ist 2026 besonders wichtig: erster Termin unter Kevin Warsh und mit neuem Dot Plot. Laut CME FedWatch Tool lag die Markterwartung am 9. Juni 2026 bei 97% für keine Zinsänderung – offen blieb aber das Signal für spätere Senkungen oder Erhöhungen.


Federal Funds Rate: Was das FOMC tatsächlich steuert

Das wichtigste Instrument des FOMC ist der Federal Funds Rate – der Zielzins für sehr kurzfristige Kredite (über Nacht) zwischen Banken. Genauer: Banken verleihen überschüssige Reserven (Guthaben bei der Fed) an andere Banken. Über diesen Leitzins beeinflusst das FOMC viele Zinsen in den USA: Hypothekenzinsen, Firmenkredite, Sparzinsen und Anleiherenditen.

Am 18. März 2026 ließ das FOMC die Zielspanne für den Federal Funds Rate bei 3,50% bis 3,75%. Zuvor hatte es im Dezember 2025 um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Viele Fed-Vertreter hielten weitere Senkungen grundsätzlich für möglich, falls die Inflation (Preisanstieg) weiter nachlässt – über den Zeitpunkt gab es aber unterschiedliche Ansichten.

Viele Prognosen rechnen inzwischen eher mit ein bis zwei kleinen Senkungen später im Jahr 2026 statt mit schnellen oder kräftigen Schritten; einige Banken erwarten erste Senkungen erst ab September.


FOMC und Gold: einer der direktesten Zusammenhänge im Handel

Unter den Anlageklassen, die auf FOMC-Entscheidungen reagieren, zeigt Gold (XAUUSD) oft einen besonders klaren Zusammenhang mit der Geldpolitik der Federal Reserve. Wer Edelmetalle handelt, sollte diese Dynamik kennen.

Warum Gold so stark reagiert

Gold bringt keine laufenden Erträge: keine Zinsen, keine Dividenden. Damit hängt der Goldpreis stark davon ab, wie attraktiv verzinsliche Alternativen sind, etwa US-Staatsanleihen. Signalisiert die Federal Reserve eine straffere Geldpolitik (höhere Zinsen), steigen häufig die realen Renditen (Rendite nach Inflation). Dann wirkt Gold oft weniger attraktiv, der Preis fällt oft. Bei Signalen für Zinssenkungen oder eine lockerere Geldpolitik sinken reale Renditen, und die „Kosten“ des Goldhaltens werden geringer – das stützt den Goldpreis.

Die Gold-Story 2026

2026 war der Zusammenhang auffällig: Am 28. Januar 2026, dem Tag der ersten FOMC-Sitzung des Jahres, erreichte Gold ein Rekordhoch nahe 5.312 US‑Dollar je Unze. Treiber war ein Vertrauensverlust in den US-Dollar, der vor der Entscheidung auf ein Vierjahrestief gefallen war.

Bis zur Sitzung am 18. März 2026 lag Gold bei etwa 5.000 US‑Dollar je Unze. Zu Jahresbeginn hatten Terminmärkte mehrere Zinssenkungen eingepreist; im März deutete der Markt nur noch auf eine Senkung im Dezember. Höhere Energiepreise schoben die Inflationserwartungen an – das stützte die Erwartung einer strafferen Fed-Politik und belastete Gold.

ING erwartet im Schnitt 4.900 US‑Dollar je Unze in Q1 2026, 5.100 in Q2, 5.300 in Q3 und rund 5.450 in Q4. JP Morgan hält an einem Ziel von 6.300 US‑Dollar je Unze zum Jahresende 2026 fest und verweist auf starke Käufe von Zentralbanken, steigende Zuflüsse in ETFs (börsengehandelte Fonds) und erwartete Zinssenkungen.

Wichtig: Häufig ist die Kommunikation des FOMC der eigentliche Auslöser – nicht nur die Zinsentscheidung. Ein „harter“ Ton (hawkish) trotz unverändertem Zins kann Gold drücken; ein „weicher“ Ton (dovish) kann Gold stützen.


Wie FOMC-Entscheidungen andere Märkte bewegen

Neben Gold wirken FOMC-Signale auf nahezu alle großen Anlageklassen:

US-Dollar und Devisenmarkt

Das FOMC ist einer der wichtigsten Treiber des US-Dollars im Devisenmarkt (Forex). „Hawkishe“ Signale – also Priorität auf Inflationsbekämpfung durch höhere Zinsen – stützen den Dollar meist. „Dovishe“ Signale – Fokus auf Wachstum und Jobs, tendenziell niedrigere Zinsen – schwächen ihn oft. Da internationale Investoren Kapital zwischen Ländern verschieben, beeinflussen FOMC-Entscheidungen auch Schwellenländerwährungen und rohstoffnahe Währungen.

US-Aktien und Indizes

Der Federal Funds Rate beeinflusst Finanzierungskosten von Unternehmen, Konsum und Bewertungen am Aktienmarkt. Niedrigere Zinsen erhöhen oft den heutigen Wert künftiger Gewinne (weil mit einem niedrigeren „Abzinsungssatz“ gerechnet wird). Steigende Zinsen drücken Bewertungen und machen sichere Anleihen attraktiver. Entscheidend ist aber häufig, ob das Ergebnis die Markterwartung überrascht, nicht nur die Richtung.

Anleihemärkte, Reserven und das Fed-Portfolio

FOMC-Entscheidungen bestimmen den Preis für sehr kurzfristige Kredite zwischen Banken und geben damit den Takt für die gesamte Zinskurve (Renditen für kurze und lange Laufzeiten) vor. Bei Zinserhöhungen steigen kurze Renditen meist sofort; lange Renditen reagieren stärker auf Erwartungen zu Wachstum und Inflation. Auch die SOMA-Bestände der Fed (Wertpapierportfolio im System Open Market Account) beeinflussen vor allem längere Laufzeiten – je nachdem, ob die Fed netto kauft (Liquidität zuführen) oder verkauft (Liquidität entziehen).


Zentrale Begriffe für FOMC-Beobachter

BegriffErklärung
Federal Funds RateZiel-Leitzins für Übernachtkredite zwischen Banken
Dot PlotPunktdiagramm mit Zinsprognosen der einzelnen FOMC-Mitglieder
SEP„Summary of Economic Projections“: Prognosen zu Wachstum, Inflation, Arbeitsmarkt und Zinsen; viermal pro Jahr
OffenmarktgeschäfteKäufe/Verkäufe von Staatsanleihen durch die Notenbank zur Umsetzung der Geldpolitik
Hawkish„Streng“: eher höhere Zinsen, um Inflation zu bremsen
Dovish„Locker“: eher niedrigere Zinsen, um Wirtschaft und Jobs zu stützen
FOMC-MinutesAusführliches Protokoll, erscheint drei Wochen nach der Sitzung
Beige BookBericht zur Wirtschaftslage in den zwölf Fed-Regionen vor der Sitzung
Reserven (Reserve Balances)Guthaben der Banken bei der Federal Reserve
SOMA-Bestände der FedWertpapierbestand im „System Open Market Account“ der Fed

Vorsicht beim Handel rund um FOMC-Termine

Hinweis: Tage mit FOMC-Sitzungen gehören zu den volatilsten im Kalender. Vorpositionierung, automatisierte Handelsprogramme und Kommentare in der Pressekonferenz können innerhalb von Minuten starke Ausschläge in beide Richtungen auslösen.

Wichtig: Die größten Bewegungen entstehen oft nicht durch die Zinszahl (die meist erwartet wird), sondern durch Nuancen: Wortwahl zur Lage, Ton der Pressekonferenz und Signale aus dem Dot Plot. Ein unveränderter Zins kann je nach Ausblick bullisch oder bärisch für Gold und Währungen sein.

Merke: An FOMC-Tagen weiten sich Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) häufig aus – bei Gold, großen Währungspaaren und US-Indizes. Die Positionsgröße sollte das höhere Risiko berücksichtigen; Stop-Loss-Marken brauchen oft mehr Abstand, um kurzfristige Ausschläge auszuhalten.

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