
Überblick
- Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft („Nonfarm Payrolls“, NFP = wichtigste US-Jobstatistik) sank im Juli um 23.000. Die Arbeitslosenquote fiel auf 4,1%, weil die Erwerbsquote (Anteil der Bevölkerung, der arbeitet oder aktiv Arbeit sucht) auf 61,4% zurückging.
- Die schwächeren Jobdaten dämpften die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung im September. Der Fokus liegt nun auf dem anstehenden US-Verbraucherpreisindex (CPI = Inflationsmaß für Waren und Dienstleistungen).
- Ein niedrigerer CPI („softer“ = geringer als erwartet) würde die Erwartung einer Zinspause der US-Notenbank (Fed) stützen. Ein höherer CPI könnte den US-Dollar stärken und Gold belasten.
- Trader sollten diese Woche den US-Dollar-Index (USDX = Maß für den Dollar gegenüber einem Währungskorb), EURUSD, GBPUSD, Gold und Bitcoin an wichtigen Chartzonen beobachten.
Die Fed-Entscheidung im September rückt stärker in den Fokus
Die US-Arbeitsmarktdaten überraschten die Märkte. Die NFP fielen im Juli um 23.000 und verfehlten damit die Erwartungen an Jobaufbau; zudem wurden die Werte der Vormonate nach unten revidiert (nachträgliche Korrektur). Der Rückgang kam vor allem durch 53.000 weniger Stellen im Staatssektor zustande, während die Beschäftigung in der Privatwirtschaft (ohne Staat) um rund 30.000 stieg.
Die Arbeitslosenquote sank auf 4,1%. Gleichzeitig ging die Erwerbsquote auf 61,4% zurück. Auch die Zahl der Menschen, die arbeiten oder aktiv Arbeit suchen, fiel weiter. Das zeigt ein schwächeres Bild, als es die Arbeitslosenquote allein vermuten lässt.
Der Bericht hat die Erwartungen für September bereits verschoben. Laut CME FedWatch (Marktindikator aus Terminkontrakten auf den US-Leitzins) fiel die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung von etwa 55% vor den Zahlen auf rund 42% danach. Damit kippte die Marktmeinung leicht in Richtung „keine Änderung“ statt „noch ein Schritt nach oben“. Trader, die Nachrichten handeln, können unseren Leitfaden zu 5 Schritten zum Forex-Handel bei Nachrichten nutzen (Forex = Handel mit Währungen).
Das wirkt auch auf andere Märkte. Reuters berichtete, dass US-Aktien nahe Rekordständen in die Woche gehen. Damit werden die Inflationsdaten zum wichtigen Test – sowohl für die Bewertung von Aktien als auch für die Erwartungen an die Fed-Politik.
Inflation übernimmt die Führungsrolle
Der nächste Test ist der US-CPI am Mittwoch, 12. August.
Der VT-Markets-Ausblick erwartet für den Gesamt-CPI 3,4% gegenüber Vorjahr (zuvor 3,5%). Der Kern-CPI („Core CPI“ = CPI ohne Energie und Lebensmittel, weil diese stark schwanken) wird bei 2,5% erwartet (zuvor 2,6%). Ein Wert unter den Vormonaten wäre ein weiteres Zeichen für nachlassenden Preisdruck. Wer den Einfluss von Inflation auf Märkte besser einordnen will, findet Details in unserem Leitfaden zum Verbraucherpreisindex.
Die Inflationsdaten sind besonders wichtig, weil der Arbeitsmarktbericht der Fed kein klares Signal liefert. Weniger neue Stellen verringern den Druck für weitere Straffung (Straffung = höhere Zinsen, um Inflation zu bremsen). Eine Arbeitslosenquote von 4,1% lässt der Fed aber Spielraum, die Inflation weiter in den Mittelpunkt zu stellen.
Ein niedrigerer CPI würde das Argument für unveränderte Zinsen im September stärken. Ein höherer Wert hätte den gegenteiligen Effekt – vor allem, wenn die Dienstleistungsinflation (Preisanstieg bei Dienstleistungen) hoch bleibt.
PCE-Umstellung als zusätzlicher Faktor
Das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß PCE („Personal Consumption Expenditures“, PCE = Preisindex der privaten Konsumausgaben) wird zudem methodisch angepasst.
Ab den August-Daten, die im September veröffentlicht werden, ändert das US-Statistikamt BEA („Bureau of Economic Analysis“, zuständig für Volkswirtschaftsdaten) die Berechnung der Inflation in Bereichen wie Software, Rechtsdienstleistungen und Anlageberatung. Laut Schätzung könnte die Umstellung die gemeldete PCE-Inflation um etwa 0,2 Prozentpunkte senken.
Der CPI bleibt davon unberührt. Der CPI am Mittwoch ist damit ein wichtiger Gegencheck: Zeigt auch dieses Inflationsmaß nach unten, oder ergibt sich die Entspannung nur durch die PCE-Umstellung?
Wenn auch der CPI nachgibt, steigt das Vertrauen, dass der Preisdruck wirklich sinkt. Bleibt der CPI hoch, könnte ein niedrigerer PCE vorsichtiger bewertet werden, weil ein Teil der Verbesserung aus der neuen Berechnung kommt.
Drei Marktszenarien
US-Dollar weiter unter Druck
Der US-Dollar-Index (USDX) markierte nach den Juli-NFP ein neues Zwischentief (Swing Low = lokales Tief im Chart) und drehte dann nach oben. Da schwächere Beschäftigungszahlen die Chance auf eine weitere Zinserhöhung im September senken, bleibt der USDX anfällig, falls der CPI ebenfalls nachlassenden Preisdruck bestätigt. Auf der Oberseite sind 99,60 und 100,20 wichtig. Bei erneuter Schwäche gelten 98,95 und 98,70 als zentrale Unterstützungen (Unterstützung = Bereich, in dem Kurse häufiger stabilisieren).
Gold mit Blick auf Ausbruch über 4.380
Gold handelt um 4.360, während der Markt die September-Aussichten der Fed nach dem schwachen Jobbericht neu bewertet. Ein Ausbruch über 4.383 könnte Raum bis 4.455 schaffen. Bei längerer Seitwärtsphase (Konsolidierung = Handel in einer Spanne) rückt 4.270 in den Fokus. Der CPI dürfte den nächsten Impuls liefern. Wer Gold als physisches Metall oder über Kontrakte handeln will (Kontrakte = standardisierte Börsenvereinbarungen wie Futures/CFDs), findet Grundlagen in unserem Einsteigerleitfaden zum Goldhandel.
Risikowerte warten auf die nächste Fed-Bewegung
Der S&P 500 (US-Aktienindex) bleibt in einer flachen Konsolidierung, mit bullischer Bewegung (bullisch = kurssteigernd) um 7.550 im Fokus. EURUSD hält sich um 1,1585. GBPUSD könnte 1,3530 testen, falls Kaufdruck zurückkehrt. Bitcoin notiert nahe 64.550; 65.401 und 65.736 gelten als Zonen mit viel Liquidität (Liquidität = viele Orders, dort kann der Kurs schneller reagieren), 64.147 ist eine wichtige Unterseite. Eine niedrigere US-Inflation kann Risikowerte stützen, weil sie weitere Fed-Straffung weniger wahrscheinlich macht. Ein höherer CPI kann neue Volatilität auslösen (Volatilität = stärkere Kursschwankungen). Für Aktien finden Sie Details in unserem S&P-500-Leitfaden, für digitale Werte (Kryptoassets) im Bitcoin-Einsteigerleitfaden.
Wichtige Symbole
USDX | EURUSD | GBPUSD | XAUUSD | BTCUSD
Anstehende Termine
| Datum | Währung | Ereignis | Prognose | Vorher | Kommentar der Analysten |
| 11 Aug | AUD | Leitzins („Cash Rate“ = offizieller Zinssatz der australischen Notenbank) | 4,35% | 4,35% | Erwartet wird eine Zinspause bei 4,35%. Hinweise der RBA (Reserve Bank of Australia = australische Notenbank) zu Inflation und künftigen Zinsen dürften den AUD bewegen. |
| 12 Aug | USD | Kern-CPI j/j (j/j = gegenüber Vorjahr) | 2,50% | 2,60% | Ein Wert unter dem Vormonat könnte die Erwartung einer Fed-Zinspause im September stützen. |
| 12 Aug | USD | CPI j/j | 3,40% | 3,50% | Ein niedrigerer Wert könnte den USD belasten und Gold stützen. Ein höherer Wert kann die Erwartung weiterer Zinsschritte wiederbeleben. |
| 13 Aug | GBP | BIP m/m (m/m = gegenüber Vormonat) | -0,10% | 0,10% | Eine Rückkehr zu Wachstum könnte das Pfund stützen. Ein schwächerer Wert würde Sorgen über die Konjunktur verstärken und GBP belasten. |
| 13 Aug | USD | Kern-PPI m/m (PPI = Erzeugerpreisindex; Kern = ohne stark schwankende Posten) | 0,30% | 0,20% | Die US-Daten bleiben der wichtigste Treiber für Schwankungen in Devisen, Gold und Aktien. |
Einen kompletten Überblick über anstehende Konjunkturtermine finden Sie im Wirtschaftskalender von VT Markets.
Wichtige Bewegungen der Woche
USDX

- Beobachten Sie 99,60 und 100,20. Diese Bereiche könnten entscheiden, ob der USDX in eine breitere Seitwärtsphase übergeht oder seinen Abwärtstrend fortsetzt (Abwärtstrend = Serie fallender Hochs und Tiefs).
- Bei erneuter Schwäche sind 98,95 und 98,70 wichtige Unterstützungen.
EURUSD

- EURUSD blieb um 1,1585, da die schwächeren US-Jobdaten den Dollar belasteten.
- Ein Rutsch unter 1,1585 rückt 1,1525 in den Fokus. Ein nachhaltiger Anstieg (nachhaltig = nicht nur kurzzeitig) könnte 1,1600 und 1,1635 öffnen.
XAUUSD (Gold)

- Gold handelt um 4.360. Wahrscheinlich ist entweder weitere Seitwärtsphase oder zuerst ein Bruch über 4.383.
- Bei Seitwärtsphase ist bullische Bewegung um 4.270 interessant.
- Bei Anstieg ist 4.455 ein möglicher Bereich für Gegenwind (bärisch = kursdämpfend).
SP500

- Die Konsolidierung im S&P 500 ist bislang flach.
- Weitere Seitwärtsphase abwarten, bullische Bewegung um 7.550 beobachten.
BTCUSD

- Bitcoin notierte um 64.550, nachdem der Gesamtmarkt auf veränderte US-Zinserwartungen reagierte.
- Ein Anstieg könnte Liquidität um 65.401 und 65.736 testen. Ein Schlusskurs unter 64.147 erhöht das Risiko weiterer Verluste.
Fazit
Die Märkte starten in die Woche, während die Fed-Entscheidung für September stärker an der Inflation hängt als nur am Arbeitsmarkt. Die NFP sanken im Juli um 23.000, die Vormonate wurden nach unten korrigiert. Die Arbeitslosenquote fiel auf 4,1%, weil die Erwerbsquote auf 61,4% zurückging. Das senkt die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung, doch Inflation bleibt der entscheidende Faktor.
Der US-CPI am 12. August ist damit das wichtigste Ereignis für US-Dollar, Gold und Risikowerte. Ein niedrigerer Wert als erwartet kann den Dollar schwächen und Gold sowie Aktien stützen. Ein höherer Wert kann die Zinserwartungen nach oben treiben und den Dollar stärken. Wichtige Marken: 99,60 und 100,20 im USDX, 4.383 und 4.455 bei Gold sowie 7.550 im S&P 500.
FAQs
FAQs
Warum rechnen die Märkte plötzlich mit einer Zinspause der Fed? Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten fielen schwächer aus als erwartet: Die NFP sanken im Juli um 23.000. Das bremst den Lohndruck und damit den Inflationsdruck, weshalb Anleger die Chance einer Zinserhöhung im September laut FedWatch von 55% auf 42% senkten.
Welcher Termin ist als Nächstes entscheidend? Der US-Verbraucherpreisindex (CPI) am 12. August. Weil der Arbeitsmarkt kein klares Signal liefert, gibt die Inflation einen besseren Hinweis, ob der Preisdruck ausreichend nachlässt, um Zinsen unverändert zu lassen.
Wie kann der CPI Gold, US-Dollar und Risikowerte bewegen? Ein niedrigerer CPI dürfte den US-Dollar belasten und Gold, Aktienindizes und Krypto stützen, weil die Fed dann eher keine weiteren Zinsschritte braucht. Ein höherer CPI könnte den Dollar stärken und Gold sowie Risikowerte unter Druck setzen.
Welche Rolle spielt die kommende PCE-Umstellung? Der PCE (Preisindex der privaten Konsumausgaben, von der Fed bevorzugt) wird ab den August-Daten anders berechnet. Dadurch könnte die gemeldete PCE-Inflation um etwa 0,2 Prozentpunkte sinken. Da der CPI unverändert berechnet wird, nutzen Märkte ihn als Gegencheck, ob Inflation wirklich sinkt und nicht nur durch die neue Methode.
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