
Drei Produkte für tokenisierte Aktien kamen innerhalb einer Woche auf den Markt.
Crypto.com startete tokenisierte Aktien am 12. August und bietet die Kursentwicklung von 1.500 zugrunde liegenden Aktien und Fonds. Am selben Tag wurde Bullish als erstes an der NYSE gelistetes Unternehmen aktiv, das seine eigenen Aktien tokenisiert und damit „on-chain“ verfügbar macht (also über eine Blockchain, ein verteiltes Register). Die SEC traf sich außerdem am 14. August, um einen Rahmen für bestimmte Krypto-Anlageprodukte zu prüfen.
Die Idee dahinter ist klar: Aktien über eine Blockchain abwickeln, die Abwicklung beschleunigen und Handel außerhalb klassischer Börsenzeiten ermöglichen.
Das frühe Marktverhalten zeigt aber etwas anderes. Die meiste Aktivität fließt nicht in tokenisierte Eigentumsrechte, sondern in Produkte, die nur den Aktienkurs nachbilden. Es entsteht zwar eine neue Eigentums-Architektur, genutzt wird sie bisher vor allem für flexibleren Handel.
Eine Nachfrage, drei Marktdesigns
Tokenisierung wird oft als „Aktien auf die Blockchain bringen“ beschrieben. Praktisch steckt dahinter jedoch eine Reihe unterschiedlicher Produktarten.
| Format | Was es bietet | Was es nicht bietet |
| Tokenisierte Aktie | Wertentwicklung, gekoppelt an ein zugrunde liegendes Wertpapier | Hängt von Verwahrung und Rücktausch-Mechanik ab (Custody und Redemption) |
| Tokenisiertes Derivat | Kursabbildung einer Aktie oder eines Fonds | Direktes Eigentum, Stimmrechte oder Aktionärsvorteile |
| Equity-Perpetual | Gehebelte Teilnahme an Kursbewegungen | Eigentum, Dividenden oder Abrechnung zu einem festen Laufzeitende |
Eine tokenisierte Aktie soll Eigentum an einem realen Vermögenswert abbilden. Backpack, das im Juli rund um die Uhr tokenisierten Handel mit US-Aktien in mehr als 150 Märkten geöffnet hat, betont: Nutzer erhalten eine an echte Wertpapiere gekoppelte Wertentwicklung, nicht nur ein künstlich nachgebautes Produkt (synthetisch). Auch die DTCC (zentrale Abwicklungs- und Verwahrinfrastruktur der US-Kapitalmärkte) hat tokenisierte Aktien, ETFs (börsengehandelte Fonds) und US-Staatsanleihen getestet; ein Produktstart ist für Oktober geplant.
Produkte auf Derivate-Basis funktionieren anders. Crypto.com beschreibt seine tokenisierten Aktien als Derivate: Sie bilden die Kursentwicklung nach, übertragen aber weder rechtliches Eigentum noch wirtschaftliches Eigentum (beneficial ownership) an den zugrunde liegenden Aktien. Die Wertpapiere werden weiter über eine regulierte Broker-Dealer-Struktur gehalten (also einen zugelassenen Wertpapierhändler).
Equity-Perpetuals gehen noch weiter. Sie sind keine Aktien, sondern unbefristete Terminkontrakte (Perpetual Futures) auf Kursbewegungen. Abgerechnet wird typischerweise in Stablecoins (Krypto-Token mit Wertbindung, meist an den US-Dollar). Laufende Ausgleichszahlungen („Funding“) orientieren sich an einem Referenzpreis aus einem Oracle (Preis-Datenquelle, die Marktdaten in die Blockchain liefert).
Am meisten Aufmerksamkeit bekommt das Eigentumsmodell, weil es die Marktinfrastruktur verändern kann. Die Aktivität konzentriert sich jedoch auf das Handelsmodell.
Die offene Frage ist nicht, ob 24/7-Handel möglich ist. Er ist möglich. Schwieriger ist, ob verlässliche Preise entstehen, wenn die Referenzbörse geschlossen ist.
Derivate können die frühe Nachfrage besser bedienen
Der Unterschied liegt in der Konstruktion der Produkte.
Ein Token, der Eigentum abbildet, braucht eine echte Aktie im Hintergrund. Jemand muss das Wertpapier beschaffen, verwahren (Custody: sichere Verwahrung), Ausgabe und Rücktausch organisieren (Issuance und Redemption) und die Kopplung zwischen Token und Basiswert stabil halten.
Ein Derivat braucht weniger: einen Referenzkurs und einen Markt, der handelt.
Das entscheidet, welches Modell schneller skalieren kann.
Der Abstand zeigt sich in der aktuellen Aktivität. Das Handelsvolumen von Perpetuals auf Real-World-Assets (RWA: tokenisierte Bezüge auf reale Vermögenswerte) auf Hyperliquid ist stark gewachsen: von rund 85 Mrd. US-Dollar im Januar auf über 470 Mrd. US-Dollar im Juni. Einzelaktien und Namen aus dem Vorbörsen-/Pre-IPO-Umfeld (Unternehmen vor dem Börsengang) gehörten zu den stärksten Treibern.
Volumen allein zeigt aber nicht, ob Anleger echtes Eigentum wollen.
Derivate erzeugen von Natur aus mehr Umsatz, weil dasselbe Kapital mehrfach eingesetzt wird. Das Volumen bei Öl-Futures (Terminkontrakte) übersteigt physische Ölkäufe. Devisen-Derivate übersteigen den tatsächlichen Währungstausch. Krypto-Perpetuals liegen seit Jahren über dem Kassahandel (Spot: direkter Kauf/Verkauf).
Das Volumen zeigt vor allem Nachfrage nach Handel über Kursbewegungen, nicht zwingend nach dem Halten des Basiswerts.
Auch die Marktgröße zeigt die Lücke. Tokenisierte Aktien im Umlauf sind rund 900 Mio. US-Dollar wert – gegenüber Billionen im regulären Aktienmarkt. Es gibt mehr Handelsplätze, aber der Anteil real abgebildeter Aktien „on-chain“ bleibt klein.
Die Gründe sind strukturell:
- Direktes Eigentum braucht Infrastruktur: Aktien benötigen Verwahrung, Abwicklung (Settlement: Lieferung gegen Zahlung) und einen Rücktausch-Mechanismus.
- Derivate brauchen Preis-Infrastruktur: Ein belastbarer Referenzkurs ermöglicht Handel, ohne dass jede Position durch eine separat gehaltene Aktie gedeckt sein muss.
- Institutionelle Anleger haben höhere Hürden: Abwicklung in Echtzeit kann voll gedeckte Trades erfordern (Kapital muss sofort bereitstehen). Das erhöht Finanzierungskosten und kann Liquidität belasten (Liquidität: wie leicht große Beträge handelbar sind, ohne den Preis stark zu bewegen).
Für einen Markt, der auf ständigen Zugang setzt, sind diese Unterschiede entscheidend.
Eine Wiederentdeckung, keine Erfindung
Die Verschiebung hin zu synthetischer Kursabbildung ist nicht neu.
Rohstoffe, Indizes und Devisen werden seit Jahrzehnten über Zeitzonen hinweg gehandelt, ohne dass der Basiswert „besessen“ werden muss. CFDs auf US-Aktien (Contracts for Difference: Differenzkontrakte, bei denen nur Kursdifferenzen ausgeglichen werden) verlängern den Zugang über Börsenzeiten hinaus, indem sie Preise mehrerer Liquiditätsanbieter bündeln (Liquidity Provider: Marktteilnehmer, die laufend Kauf-/Verkaufskurse stellen).
Tokenisierte Märkte kommen von einem anderen Ausgangspunkt, landen aber bei einer ähnlichen Schlussfolgerung.
Das ursprüngliche Ziel war, Eigentum über eine Blockchain neu zu organisieren. Die stärkste Nachfrage richtet sich jedoch auf kontinuierlichen Zugang zu Kursbewegungen.
Ein Detail zeigt den Wandel: Tokenisierte Aktien werden inzwischen als Margin-Sicherheit für Perpetual-Futures akzeptiert (Margin Collateral: hinterlegte Sicherheit für gehebelte Positionen). Die „Aktien-Token“ werden damit zur Finanzierungsschicht für die darauf aufbauenden Kontrakte.
Das Problem der Preisfindung
Alle Formate mit Aktienhandel außerhalb der Börsenzeiten haben dieselbe Herausforderung: Woher kommt der Preis, wenn die Hauptbörse geschlossen ist?
| Format | Preisquelle außerhalb der Handelszeiten | Strukturelle Schwäche |
| Eigentums-Token | Orderbuch des jeweiligen Handelsplatzes (Order Book: Liste offener Kauf-/Verkaufsaufträge) | Dünne Liquidität und plattformspezifische Preisabweichungen |
| Derivate-Token | Bewertung des Emittenten gegen verwahrte Aktien (Mark: interne Preisfestsetzung) | Abhängigkeit von Emittent und Verwahrung |
| Equity-Perpetual | Oracle-Feed (Datenstrom mit Referenzkursen) | Datenqualität und Kettenreaktionen durch Hebel (Leverage: Kreditwirkung) |
| Aktien-CFD | Gebündelte Liquiditätsanbieter | Kein Eigentum am Basiswert |
Keine dieser Quellen ist das offizielle Börsenband (Tape: offizieller Kurs-/Umsatzstrom), denn dieser stoppt, wenn die Börse schließt.
Die Risiken zeigen sich besonders nachts und am Wochenende:
- Liquidität zersplittert: Jeder Handelsplatz stützt sich nach Börsenschluss auf seine eigene Preislogik.
- Preisunterschiede nehmen zu: Derselbe Basiswert kann gleichzeitig zu verschiedenen Preisen gehandelt werden.
- Hebel verstärkt Fehler: Kleine Preisabstände können Liquidationen auslösen (Zwangsschließung von Positionen wegen zu geringer Sicherheiten), wenn Positionen stark gehebelt sind.
Die Effekte sind messbar. Ähnliche Vermögenswerte wurden auf verschiedenen Plattformen mit spürbaren Unterschieden gehandelt; die Spreads (Geld-/Brief-Spanne) weiten sich, wenn die Liquidität sinkt. Dünne Orderbücher erhöhen zudem das Risiko abrupten Kursbewegungen durch relativ kleine Trades.
Anfang des Monats fiel ein Perpetual-Kontrakt auf SK Hynix nach einem einzelnen Trade um 19% auf einem illiquiden koreanischen Vorbörsen-Handelsplatz. Das löste Liquidationen aus; der Betreiber erklärte später, Verluste zu erstatten.
Der Vorfall zeigt das Grundrisiko: schwache Referenzpreise, gehebelte Positionen und Zwangsliquidationen können sich gegenseitig verstärken.
Zugang ist gelöst. Die Preisbildung nicht.
Die Nachfrage nach 24/7-Zugang zur Aktienkursentwicklung ist real.
Trader wollen handeln, wenn klassische Börsen geschlossen sind. Derivate haben diese Nachfrage schneller aufgenommen als eigentumsbasierte Tokenisierung. Parallel entsteht institutionelle Infrastruktur: traditionelle Marktanbieter prüfen tokenisierte Abwicklung.
Die nächste Aufgabe ist, diese Märkte verlässlich zu machen.
Zersplitterung sorgt eher für breitere Spreads als für engere. Hebel wird auf Referenzpreise angewendet, die aus Nebenquellen kommen. Dazu bleibt die Regulierung unklar: Der Rahmen der SEC für Tokenisierung soll sich verzögern, während Diskussionen über Tokenisierungs-Regeln im CLARITY Act weiterlaufen.
Für tokenisiertes Eigentum hängt die Verbreitung von mehr Liquidität, klareren Regeln und einer robusten Anbindung an die echten Aktien ab.
Für Derivate hängt das Wachstum von besserer Preisfindung und strengeren Risikoregeln für Hebel ab.
Die Zukunft tokenisierter Aktien dürfte weniger davon abhängen, ob Aktien „on-chain“ wandern, sondern davon, ob Märkte außerhalb klassischer Handelszeiten einen verlässlichen Handel ermöglichen.
Trading above Market Noise at VT Markets
- US-Aktien-CFDs, darunter ausgewählte Märkte auch außerhalb regulärer Börsenzeiten
- XAUUSD247. Gold als klassisches Beispiel für erweiterten Marktzugang bei einem traditionellen Basiswert
- Synthetische Indizes, von Natur aus durchgängig handelbar, weil sie algorithmisch bepreist werden und keinen zugrunde liegenden Markt haben, der schließt

Das sind alles Derivate. Sie bilden Kurse nach, vermitteln aber kein Eigentum am Basiswert oder am Unternehmen. Synthetische Indizes sind keine Aktienanlage und haben ein anderes Risikoprofil als die beiden anderen (Risikoprofil: typische Verlust-/Schwankungsmerkmale).
Tap for Trader’s Takeaway
Häufige Fragen
Was sind tokenisierte Aktien und wie funktionieren sie?
Tokenisierte Aktien nutzen eine Blockchain (verteiltes Register), um die Wertentwicklung von Aktien abzubilden. Nicht jedes Produkt vermittelt aber Eigentum. Viele dienen vor allem der Kursabbildung oder dem Trading.
Warum setzen sich Derivate in 24/7-Aktienmärkten schneller durch?
Derivate ermöglichen durchgehenden Zugang zu Kursbewegungen, ohne dass jede Position durch eine separat gehaltene Aktie gedeckt sein muss. Das erleichtert Skalierung.
Sind tokenisierte Aktien dasselbe wie Aktienbesitz?
Nicht unbedingt. Manche tokenisierten Produkte sind Derivate, die Aktienkurse nachbilden, aber keine Stimmrechte, Dividenden oder direkten Aktienbesitz vermitteln.
Was ist die größte Herausforderung für 24/7-Aktienmärkte?
Die Preisfindung bleibt das Hauptproblem. Wenn Börsen geschlossen sind, braucht der Markt genaue Referenzpreise, damit Liquiditäts- und Hebelrisiken beherrschbar bleiben.
Beginnen Sie jetzt mit dem Trading — klicken Sie hier, um Ihr echtes VT Markets-Konto zu erstellen.