
Der Januar führte viele der prägenden Marktthemen aus 2025 fort. Unklare Politik und politisches Risiko sorgten erneut für starke Kursschwankungen (Volatilität: schnelle, teils heftige Preisbewegungen). Der Monat begann mit „Risk-on“ (Anleger gehen mehr Risiko ein): robuste US-Konjunkturdaten und lockerere Finanzierungsbedingungen (leichterer Zugang zu Krediten, niedrigere Kreditaufschläge) trieben Aktien weltweit. Aussagen von Präsident Trump mit Zollandrohungen (Tarife: Einfuhrabgaben) im Zusammenhang mit steigenden Spannungen um Grönland belebten die Angst vor einem größeren Handelskonflikt und lösten einen deutlichen Rückgang bei riskanteren Anlagen aus.
Die Volatilität sprang an, weil Anleger in „sichere Häfen“ (Anlagen, die in Krisen oft stabiler sind, etwa Staatsanleihen hoher Qualität oder Gold) umschichteten. Zugleich wuchsen Sorgen über die Stabilität von Institutionen, nachdem Berichte über eine Prüfung durch das US-Justizministerium im Umfeld von Fed-Chef Jerome Powell kursierten.
Die Märkte beruhigten sich, als die Zollrhetorik nachließ und eine direkte Eskalation ausblieb. Der Vorfall bestätigte jedoch eine vorsichtige Grundstimmung.
Der Januar endete mit robusten Risikoanlagen, doch die Positionierung war stärker auf Absicherung und Flexibilität ausgerichtet als auf feste Überzeugungen.
Devisen (Forex)
Am Devisenmarkt spiegelte sich die wechselnde Risikolage, wobei der US-Dollar (USD) im Zentrum vieler Strategien blieb. Zu Monatsbeginn gab der USD leicht nach, weil Aktien stiegen und die Risikofreude zunahm.
Das drehte, als Handelskonflikte wieder aufkamen und politische Schlagzeilen zunahmen. Erneute Zolldrohungen zwischen den USA und der EU sowie Diskussionen um die Führung der US-Notenbank (Federal Reserve, „Fed“) brachten Unruhe in die Währungskurse. Damit verstärkte sich die Rolle des USD als „Barometer“ für politisches Risiko und als defensiver Baustein in Phasen hoher Unsicherheit.
AUDUSD fiel im Monatsverlauf auf. Das Währungspaar (Wechselkurs zwischen Australischem Dollar und US-Dollar) bewegte sich zunächst in einer Spanne, gestützt von besserer Aktienlaune und stabilen Rohstoffpreisen. Mitte des Monats drückte die Unsicherheit kurzzeitig, zum Monatsende legte das Paar aber zu, als die Zollrhetorik nachließ und sich die Stimmung verbesserte.

Abb. 1: 4-Stunden-Chart von AUDUSD mit starkem Monatsabschluss
Gold und Silber
Edelmetalle setzten ihre Dynamik aus Ende 2025 fort: Gold und Silber markierten im Januar neue Rekorde. Gold stieg über 4.960 US-Dollar je Unze (Unze: Gewichtseinheit im Rohstoffhandel), Silber kletterte erstmals über 100 US-Dollar je Unze.
Politische Instabilität blieb der Haupttreiber. Neue Handelskonflikte, Sorgen um die Unabhängigkeit von US-Institutionen und geopolitische Unsicherheit stützten die Nachfrage nach defensiven Anlagen. Sinkende Realrenditen (Realzins: Zins nach Abzug der Inflation) reduzierten zudem die „Opportunitätskosten“ (entgangener Zins), weil Gold und Silber keine laufenden Zinsen abwerfen.
Käufe von Zentralbanken stützten die Goldnachfrage, vor allem in Schwellenländern, die ihre Währungsreserven breiter aufstellen und den Anteil des US-Dollars senken wollen. Silber profitierte neben seiner Rolle als Krisenschutz auch von Erwartungen an die Industrienachfrage, etwa durch Elektrifizierung und Energiewende.

Abb. 2: 4-Stunden-Chart Silber mit Anstieg über 100 US-Dollar je Unze
Öl
Rohöl zeigte im Januar hohe Volatilität, getrieben von geopolitischem Risiko, Unsicherheit auf der Angebotsseite (Fördermenge/Exportmöglichkeiten) und wechselnden Erwartungen an die Wirtschaftspolitik.
Zu Beginn stiegen die Preise, gestützt vom allgemeinen „Risk-on“-Umfeld und der Erwartung, dass OPEC+ (OPEC und verbündete Förderländer) das Angebot weiter diszipliniert steuert.
Geopolitik gewann an Einfluss: Spannungen zwischen Venezuela und den USA weckten Sorgen über strengere Sanktionsdurchsetzung und mögliche Ausfälle venezolanischer Exporte.
Proteste im Iran erhöhten die Nervosität auf der Angebotsseite und schürten Befürchtungen über Instabilität in einer weiteren wichtigen Förderregion.
OPEC+ bekräftigte die Kontrolle über das Angebot und signalisierte, die Förderung bei Bedarf anzupassen. Das begrenzte Abwärtsdruck.
Der Januar zeigte erneut, wie empfindlich Öl auf geopolitische Schocks reagiert, auch wenn die Angebotssteuerung stärkere Rückgänge verhinderte.

Abb. 3: 1-Stunden-Chart Öl mit schwankungsreichem, leicht positivem Start ins Jahr 2026
Indizes
Globale Aktienindizes hatten einen turbulenten Monat, zeigten aber erneut Widerstandskraft. Anfang Januar wurden neue Rekordstände erreicht, bevor Handelskonflikte zur Monatsmitte einen kräftigen Abverkauf auslösten.
Die Kurse erholten sich, nachdem Zollandrohungen zurückgenommen wurden.
Der Stimmungsumschwung wurde durch wachsende Spannungen zwischen den USA und der EU wegen Grönland ausgelöst. US-Aktien fielen, weil Anleger die Risiken für das globale Wachstum neu bewerteten; europäische Märkte gerieten stärker unter Druck.
Der DAX schnitt schlechter ab. Grund war Deutschlands hohe Abhängigkeit vom Welthandel und von der Industrienachfrage; auch andere europäische Indizes gaben nach.
Als Präsident Trump auf eine schnelle Zolleskalation verzichtete, hellte sich die Risikostimmung auf und die Aktienmärkte stabilisierten sich. US-Indizes holten einen großen Teil der Verluste auf, europäische Märkte fanden ebenfalls Halt.

Abb. 4: 4-Stunden-Chart DAX mit Bruch unter den Aufwärtstrendkanal (Trendkanal: Bereich zwischen zwei parallelen Trendlinien) während der US-EU-Handelsspannungen und anschließender Stabilisierung
Krypto
Bitcoin startete in den Januar gestützt von besserer Risikostimmung und Hoffnung auf mehr Beteiligung großer Investoren (institutionelle Anleger: etwa Fonds, Versicherer), befeuert durch Erwartungen an Fortschritte bei US-Gesetzen für Kryptowährungen.
Der Optimismus ließ nach, als die Regulierung ins Stocken geriet. Verzögerungen rund um den „Clarity Act“ (Gesetzesvorhaben, das Regeln klarer machen soll) nährten die Einschätzung, dass ein eindeutiger US-Rechtsrahmen für digitale Vermögenswerte nicht kurzfristig kommt.
Das führte zu Gewinnmitnahmen (Verkauf nach Kursanstieg), Bitcoin fiel, und Altcoins (andere Kryptowährungen neben Bitcoin) entwickelten sich schwächer, weil die Risikobereitschaft sank.
Neue Handelskonflikte und stärkere Schwankungen an klassischen Märkten veranlassten Anleger, ihr Risiko in spekulativen Anlagen zu reduzieren. Die enge Gleichläufigkeit (Korrelation: Kurse bewegen sich oft in die gleiche Richtung) von Bitcoin mit anderen Risikoanlagen zeigte sich erneut und stellte die Erzählung als „sicherer Hafen“ in Stressphasen infrage.

Abb. 5: 4-Stunden-Chart Bitcoin mit schwächerer Entwicklung in der zweiten Monatshälfte
Blick in den Februar
Nach der Schwäche im Januar schwankt der US-Dollar. Unterschiede beim Wachstum und bei Zinserwartungen (Markterwartungen an die Leitzinsen) könnten die Schwankungen am Devisenmarkt erhöhen, vor allem wenn US-Daten deutlich von Europa oder Asien abweichen. Ein schwächerer USD würde Risikoanlagen und Rohstoffe stützen, ein festerer USD könnte die Finanzierungsbedingungen weltweit verschärfen.
Arbeitsmarktdaten werden wichtig sein: Eine Abschwächung bei Neueinstellungen, Erwerbsbeteiligung (Anteil der Menschen, die arbeiten oder Arbeit suchen) oder Lohnwachstum könnte die Erwartung stützen, dass die geldpolitische Lockerung (Politik der Notenbank zur Senkung von Zinsen und zur Erleichterung der Finanzierung) wirkt, ohne das Wachstum zu bremsen. Zeigt sich dagegen weiter ein enger Arbeitsmarkt, müssten Inflationsausblick und Zinserwartungen neu bewertet werden.
Gold dürfte empfindlich auf Realrenditen und geopolitische Risiken reagieren. Eine Eskalation bei laufenden Konflikten wie Iran–USA, anhaltende Unsicherheit Ukraine–Russland oder neue Spannungen im Handel USA–EU könnte Anleger zurück in sichere Häfen treiben, auch wenn die Inflation weiter nachlässt.
Der Februar könnte zeigen, ob die Schwankungen zum Jahresstart anhalten. Die Berichtssaison (Earnings Season: Phase mit vielen Unternehmenszahlen) rückt Ausblicke (Guidance: Erwartungen des Managements zu Umsatz und Gewinn) in den Vordergrund, teils wichtiger als die reinen Zahlen. Der Markt will sehen, ob Gewinnmargen (Anteil des Gewinns am Umsatz) stabil bleiben.
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