
Der Juni war erneut ein sehr schwankungsreicher Monat an den Weltbörsen, geprägt von geopolitischen Ereignissen. Der 12-tägige Krieg zwischen Israel und Iran sowie Spekulationen über neue Zölle (Importabgaben) und Änderungen bei Regeln und Aufsicht zwangen Händler und Anleger zu einem Balanceakt zwischen Vorsicht und Zuversicht – zumal aus China ermutigende Konjunkturdaten kamen.
Der Ölpreis sprang auf 75 US-Dollar je Barrel (Fass), als Israel am 13. Juni Iran angriff. Die Sorge vor einer Ausweitung zu einem größeren Regionalkrieg und Drohungen, die Straße von Hormus zu schließen (wichtige Seeroute für Ölexporte) schürten Ängste vor Lieferausfällen am Weltmarkt. Das wäre ein erhebliches Risiko für die Inflation (allgemeiner Preisanstieg) – zu einem Zeitpunkt, an dem Notenbanken bereits zwischen anhaltender Teuerung und nachlassendem Wachstum abwägen müssen.
Der Konflikt löste kurzfristig Verkäufe bei Aktien und Kryptoanlagen aus, weil Investoren riskantere Positionen reduzierten und in klassische „sichere Häfen“ umschichteten (Anlagen, die in Krisen oft stabiler sind). Eine Waffenruhe verringerte jedoch die Furcht vor länger anhaltenden Energieschocks oder einer Ausweiteten des Konflikts. Seitdem fiel Öl wieder unter 65 US-Dollar je Barrel; schwache Nachfrage und anhaltende Spannungen in der OPEC+ (Bund aus OPEC und Partnerländern, die Fördermengen abstimmen) halten den Preis unter Druck. Aktien legten anschließend zu: S&P 500 und NASDAQ markierten neue Rekordstände.
Auffällig war, dass sich Gold zeitweise ähnlich wie Bitcoin bewegte. Das unterstreicht ihre Rolle als alternative Wertaufbewahrung (Anlagen, die Kaufkraft erhalten sollen), besonders bei erhöhtem Staats- und Geopolitikrisiko.
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) schlug auf ihrer Juni-Sitzung einen vorsichtigen Ton an und verwies auf Risiken durch Inflation und nachlassendes Wachstum. Die Sitzung fiel in die Phase der Nahost-Spannungen, die sich inzwischen beruhigt haben und einige Risiken reduzierten. Bessere Daten aus China stützten zudem die Stimmung.
Die Märkte reagieren weiter sehr empfindlich auf die geopolitische Lage. Mit dem erneuten Fokus der Trump-Regierung auf Zölle und der Frist bis 9. Juli für Handelsabkommen könnte die Schwankungsintensität auch in den typischerweise umsatzärmeren Sommermonaten hoch bleiben.
Forex
Der US-Dollar gab im Juni weiter nach. Schwächer als erwartete Inflationsdaten und die Entspannung im Israel-Iran-Konflikt nährten die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen der Fed später im Jahr.
Zwar blieb die Fed im Juni grundsätzlich vorsichtig, doch das war auf dem Höhepunkt der Nahost-Spannungen, als die Sorge vor stark steigenden Ölpreisen am größten war.
Klassische „sichere“ Währungen wie der japanische Yen (JPY) und der Schweizer Franken (CHF) hielten sich zunächst, gaben später aber nach, als die Lage ruhiger wurde.
Weiterhin besteht das Risiko, dass zusätzliche Zölle die Inflation anheizen – vor allem, wenn die US-Handelskonflikte mit China oder der EU eskalieren. Im Juli dürfte der Fokus wieder stärker auf diese politischen und wirtschaftlichen Brennpunkte fallen. Das kann zu defensiveren Positionen in wichtigen Währungspaaren führen (Ausrichtung auf weniger riskante Trades).

Abb. 1: Wöchentlicher DXY-Chart (Dollar-Index, misst den US-Dollar gegen wichtige Währungen) mit weiterer Schwäche im Juni; Handel unter der Spanne 99,50–101,00.
Gold and Silver
Gold bewegte sich im Juni seitwärts (ohne klaren Trend). Grund war das Ringen zwischen sinkendem geopolitischem Risiko und anhaltender makroökonomischer Unsicherheit (breite Wirtschaftslage wie Wachstum, Inflation, Zinsen).
Nach einem anfänglichen Anstieg zu Beginn des Israel-Iran-Konflikts – getragen von der Rolle als „sicherer Hafen“ – fiel Gold von seinem Hoch bei 3.451 US-Dollar je Unze, als eine Waffenruhe die Risikobereitschaft zurückbrachte.
Gold bleibt wichtig als Absicherung gegen Inflationsschocks (plötzliche Preisschübe). Eine neue Eskalation bei Zöllen könnte den Goldpreis erneut treiben, weil Anleger Schutz in defensiven Anlagen suchen.
Silber legte im Juni dagegen deutlich zu – nach positiven Daten zu Einzelhandel und Industrieproduktion in China. Chinas gezielte Konjunkturstützung (staatliche Maßnahmen zur Belebung) stärkte die vorsichtige Erwartung einer höheren Silbernachfrage, unter anderem in Solarenergie, Elektroautos (EVs) und Elektronik.
Im Juli sollten Händler die Zoll-Schlagzeilen eng verfolgen, vor allem mögliche Gegenmaßnahmen aus China und der EU. Wichtige Treiber für Gold und Silber sind Einkaufsmanagerindizes (PMI, Stimmungsindikator für die Wirtschaft) und Industriedaten aus China, den USA und der EU sowie Inflationszahlen und Aussagen der Fed.

Abb. 2: Monatschart Silber mit Ausbruch auf Niveaus, die seit 2012 nicht mehr erreicht wurden.
Oil
Öl gehörte im Juni zu den stärksten Schwankungstreibern, weil der Israel-Iran-Krieg die Angst vor Störungen der weltweiten Versorgung schürte.
Händler befürchteten, dass steigende Ölpreise und eine Eskalation – insbesondere eine Schließung der Straße von Hormus durch Iran – eine neue Inflationswelle in der Weltwirtschaft auslösen könnten.
Die Waffenruhe brachte rasch Entlastung: Der Preis fiel wieder unter die wichtige Marke von 65 US-Dollar je Barrel. Zusätzlich wirkten Fundamentaldaten (Angebot und Nachfrage): Die OPEC+ will die Förderung ab August um 411.000 Barrel pro Tag erhöhen.

Abb. 3: Tageschart Öl mit schnellen Spitzen bis 75–78 US-Dollar und anschließender Stabilisierung um 65 US-Dollar nach der Waffenruhe.
Indices
US-Aktienindizes zeigten sich trotz geopolitischer Spannungen, langsamerem BIP-Wachstum (Gesamtleistung der Wirtschaft) und Inflationssorgen bemerkenswert robust.
Nach einem kleinen Rücksetzer zu Beginn des Israel-Iran-Konflikts erholten sich S&P 500 und NASDAQ deutlich. Beide erreichten neue Rekorde und machten die vorherigen Verluste wett, die durch Trumps „Liberation Day“-Zölle ausgelöst worden waren.
Mit der anstehenden Berichtssaison (Quartalszahlen der Unternehmen) achten Anleger auf Folgen der jüngsten Änderungen in der Handelspolitik. Einzelne Branchen könnten erste Belastungen zeigen – oder profitieren – je nach Wirtschaftslage.
Wichtige Treiber bleiben Inflationsdaten (CPI, Verbraucherpreise), Trends beim Konsum, FOMC-Entscheidungen (Zinsgremium der Fed) und die Stärke des Arbeitsmarkts.

Abb. 4: Tageschart NASDAQ mit Ausbruch auf neue Rekordstände.
Crypto
Kryptoanlagen schwankten im Juni stark. Zu Beginn fielen die Kurse, als die geopolitischen Spannungen zunahmen. Bitcoin rutschte kurz unter 106.000 US-Dollar, Ethereum fiel nach Israels Luftangriff auf Iran unter eine wichtige Unterstützung (Kursniveau, an dem Käufer oft wieder einsteigen).
Nach der Waffenruhe drehte die Stimmung deutlich. Bitcoin stieg schnell wieder über 106.000 US-Dollar, Ethereum legte um 9% auf 2.420 US-Dollar zu. Auch Solana gewann, gestützt durch Spekulationen über mögliche ETF-Zulassungen (börsengehandelter Fonds, der an der Börse wie eine Aktie gehandelt wird), die Krypto im klassischen Finanzsystem stärker verankern könnten.

Abb. 5: Tageschart Bitcoin mit starken Ausschlägen während des Nahost-Konflikts und der laufenden Entwicklungen in der Handelspolitik.
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