Südkoreas Exportdynamik dürfte im Juni robust bleiben; das Wachstum gegenüber dem Vorjahr wird in einer Spanne von 50–60% erwartet. Vorläufige Zahlen für die ersten 20 Tage des Monats zeigten bereits ein Exportplus von 60,4% y/y. Die Handelsbilanz dürfte sich weiter verbessern: Der Überschuss wird voraussichtlich auf über 30 Mrd. USD steigen, nach zuvor 27 Mrd. USD. Unterstützend wirken KI-getriebene Halbleiternachfrage und steigende Preise für Speicherchips, die die Ausfuhren stützen und helfen, höhere Kosten für Energieimporte zu kompensieren.
Auch die Inflation dürfte anziehen. Beim Gesamtindex (CPI) wird ein Anstieg auf 3,4% y/y nach 3,1% im Vormonat erwartet und damit ein zweiter Monat in Folge oberhalb der 3%-Schwelle; auch die Kerninflation dürfte zulegen. Vor diesem Hintergrund sieht der geldpolitische Basispfad zwei Zinserhöhungen der Bank of Korea um jeweils 25 Basispunkte bis zum 4. Quartal vor.
Ausblick für die Geldpolitik und Währungsstrategie
Angesichts der starken Export- und Inflationsdaten sehen wir ein klares Signal, dass die Bank of Korea die Zinsen anheben wird. Bei einer erwarteten Inflation von 3,4% hat die Notenbank einen handfesten Handlungsanreiz – wahrscheinlich mit zwei Schritten, bevor das Jahr endet. Dieses Straffungsumfeld eröffnet gezielte Chancen an den Devisen- und Zinsmärkten.
Wir gehen davon aus, dass der südkoreanische Won gegenüber dem US-Dollar Aufwertungspotenzial hat. Mit Zinsanhebungen der BOK dürften höhere Renditen ausländisches Kapital anziehen und die Währung aus ihrer jüngsten Handelsspanne um 1350 stützen. Ein ähnliches Muster war im Straffungszyklus 2021–2022 zu beobachten, was für Long-Positionierungen im Won über Währungsfutures oder Call-Optionen spricht.
Bei den Zinsen ist der Weg des geringsten Widerstands nach oben. Die Rendite der 3-jährigen koreanischen Staatsanleihe ist in diesem Monat bereits auf 3,5% gestiegen und dürfte weiter zulegen, wenn Zinserhöhungen stärker eingepreist werden. Damit erscheint eine Short-Position in Futures auf koreanische Staatsanleihen (KTB) attraktiv, um von fallenden Anleihekursen zu profitieren.
Implikationen für den Aktienmarkt und Chancen nach Sektoren
Am Aktienmarkt ist das Bild komplexer und erfordert einen selektiven Ansatz. Zwar können steigende Zinsen den Gesamtmarkt belasten, doch der KI-getriebene Halbleiterboom ist ein kräftiger Rückenwind für bestimmte Technologieunternehmen. Der KOSPI 200 ist auf Basis dieser Exportstärke bereits über 2900 gestiegen.
Entsprechend sollte der Fokus auf der Divergenz zwischen dem Technologiesektor und dem breiteren Markt liegen. Wir sehen Potenzial in Call-Optionen auf große Halbleiterwerte oder entsprechende ETFs, um die Exportdynamik zu spielen. Gleichzeitig könnten Put-Optionen auf den KOSPI-200-Index als sinnvolle Absicherung gegen die marktbreite Wirkung höherer Finanzierungskosten dienen.
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