Dan Pan von Standard Chartered prognostiziert, dass die Banco Central do Brasil (BCB) den Lockerungszyklus verlangsamen wird, da die Inflationsdynamik schwierig bleibt. Der Leitzins Selic dürfte im dritten Quartal pausieren, bevor die Senkungen im vierten Quartal 2026 wieder aufgenommen werden. Pan erwartet nun, dass der Leitzins 2026 bei 13,75% endet (zuvor 12,5%) und 2027 bei 11,75% (zuvor 10,0%).
Der revidierte Pfad folgt steigenden Inflationserwartungen, anhaltend hoher Kerninflation und einer robusten Binnennachfrage, die den Spielraum für kurzfristige Senkungen begrenzen. Mit Blick nach vorn dürften sinkende Energiekosten, nachlassende Nachfrage und eine geringere wahlbedingte Marktvolatilität nach den Wahlen im Oktober 2026 Raum für eine erneute Lockerung Ende 2026 und 2027 schaffen. Zuletzt senkte die BCB den Leitzins am 17. Juni um 25 Basispunkte.
Ausblick auf Brasiliens Lockerungszyklus und Zinspfad
Wir erwarten nun einen graduelleren Lockerungszyklus der brasilianischen Zentralbank, angesichts des zunehmend herausfordernden Inflationsbildes. Die Erklärung der Zentralbank nach der kleinen Zinssenkung um 25 Basispunkte in der vergangenen Woche fiel auffallend restriktiv aus; zudem wurde die explizite Orientierungshilfe für weitere Schritte gestrichen. Das deutet darauf hin, dass der Selic-Satz voraussichtlich über das dritte Quartal hinweg unverändert bleibt.
Steigende Inflationserwartungen und eine hartnäckige Kerninflation sind die Haupttreiber dieser Einschätzung. Die jüngsten IPCA-15-Daten zeigten einen Anstieg der Inflation von 0,45% gegenüber dem Vormonat, womit die Jahresinflation weiterhin hartnäckig über dem Zielwert von 3% liegt. Zudem überraschten die Einzelhandelsumsätze im Mai positiv und stiegen um 0,9%, was die These einer anhaltenden wirtschaftlichen Robustheit stützt.
Implikationen für Anleger und Risikofaktoren
Vor diesem Hintergrund positionieren wir uns für eine Aufwärtsanpassung am kurzen Ende der brasilianischen Zinskurve. Derivatehändler sollten erwägen, in kurzfristigen Zins-Swaps (z. B. 3- und 6-Monats-Kontrakten) fixe Sätze zu zahlen. Dies spiegelt die Erwartung wider, dass kurzfristige Zinssenkungen vorerst vom Tisch sind.
Das „Higher-for-longer“-Zinsumfeld macht zudem den brasilianischen Real für Carry-Trades gegenüber Niedrigzinswährungen attraktiv. Da der Selic-Satz zum Jahresende voraussichtlich bei 13,75% erhöht bleibt, bietet die Zinsdifferenz einen beträchtlichen Puffer. Wir sehen Chancen in Long-Positionen im Real gegenüber dem US-Dollar.
Gleichwohl bleiben wir aufgrund der anstehenden allgemeinen Wahlen im Oktober vorsichtig. Der Spielraum für erneute Zinssenkungen dürfte sich später im Jahr wieder öffnen, sobald die wahlbedingte Marktvolatilität nachlässt. Historisch haben die Monate vor einer Wahl eine ausgeprägte Zwei-Wege-Volatilität in brasilianische Assets gebracht, was ein umsichtiges Risikomanagement erforderlich macht.
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