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Société Générale warnt: Inflation in der Eurozone könnte wieder anziehen, da sich die Weitergabe des Energieschocks bis 2026 verzögert

by VT Markets
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Jul 3, 2026

Die Inflation im Euroraum hat laut Ökonomen der Société Générale bislang weder bei Nahrungsmitteln noch bei Güterpreisen indirekte Effekte des Energieschocks gezeigt. Die kurzfristige Dynamik wird durch schwächeres Brent geprägt, was die Gesamtinflation im Juli voraussichtlich auf 2,55% gegenüber dem Vorjahr drücken wird, während die verzögerte Weitergabe von vorgelagerten Energie-Rohstoffpreisen an die Verbraucherpreise weiterhin unvollständig ist.

Die Bank erwartet weiterhin, dass eine verzögerte Weitergabe die Kerninflation und – zusammen mit wetterbedingten Effekten – die Nahrungsmittelinflation später im Jahr 2026 anheben wird, wenngleich diese Aufwärtsrisiken nun schwächer ausfallen dürften als zuvor veranschlagt. Sie verweist auf ein typisches Muster, wonach Nahrungsmittel- und Kerninflation etwa 16 Monate nach einem Energieschock ihren Höchststand erreichen – entsprechend seien weitere Effekte noch nicht vollständig durchgeschlagen. Separat haben niedrigere Energiepreise die Prognose für die Gesamtinflation über das Jahr 2026 hinweg um rund 0,5 Prozentpunkte gesenkt; der Höchststand der Gesamtinflation wird nun bei 3% Ende 2026 gesehen, vorausgesetzt, das MoU hält.

Marktfokus und Inflationsverzögerung

Der Markt scheint sich auf die unmittelbare Entlastung durch niedrigere Energiepreise zu konzentrieren. Nachdem die jüngste Eurostat-Schnellschätzung für Juni eine Gesamtinflation von 2,6% ausgewiesen hat und sich Brent-Rohöl bei rund 75 US-Dollar je Barrel stabilisiert, preisen viele einen weiteren Rückgang ein. Wir halten diese Sicht für kurzsichtig und für eine Unterschätzung der verzögerten Effekte früherer Energieschocks.

Dieses Muster haben wir bereits gesehen, insbesondere nach dem Energieschub 2021–2022, als die Kerninflation noch lange nach dem Hoch der Energiepreise weiter anzog. Die Erfahrung spricht für eine Verzögerung von rund 16 Monaten, bis die Weitergabe vollständig bei Kernwaren- und Nahrungsmittelpreisen ankommt. Das impliziert, dass die inflationären Impulse vom frühen Jahr und vom späten Vorjahr sich in den Preisen alltäglicher Güter und Dienstleistungen noch nicht vollständig niedergeschlagen haben.

Strategische Implikationen und Marktchancen

Daraus ergibt sich in den kommenden Wochen eine Chance für Derivatehändler. Wir sehen Wert darin, entgegen dem aktuellen Marktkonsens auf eine höhere Inflation in der zweiten Jahreshälfte 2026 zu setzen. Inflationsswaps mit Referenz auf Q4 2026 oder Anfang 2027 erscheinen fehlgepreist, da wir erwarten, dass Kern- und Nahrungsmittelinflation wieder zu steigen beginnen.

Daher prüfen wir den Aufbau von Long-Positionen in Forward-Inflationskontrakten. Der Markt preist für Ende 2026 derzeit eine Inflation von rund 2,4%, wir sehen jedoch einen klaren Pfad zu einem 3%-Hochpunkt spät im Jahr. Diese Diskrepanz bietet erhebliches Aufwärtspotenzial, sobald die verzögerten indirekten Effekte in den amtlichen Datenveröffentlichungen im Herbst sichtbar werden.

Entscheidend ist in diesem Zusammenhang auch die Reaktionsfunktion der Europäischen Zentralbank. Ein Wiederanziehen der Kerninflation würde die Notenbanker zu einem restriktiveren Ton zwingen als derzeit erwartet und damit Aufwärtsdruck auf kurzfristige Zinsen ausüben. Optionen auf EURIBOR-Futures mit Laufzeitende gegen Jahresende könnten ein wirksames Instrument sein, um sich für eine mögliche geldpolitische Überraschung zu positionieren.

Auch wenn der jüngste Rückgang der Energiekosten unsere Gesamtprognose für 2026 um etwa einen halben Prozentpunkt gesenkt hat, bleibt die grundlegende Dynamik der verzögerten Weitergabe intakt. Das Hauptrisiko besteht darin, dass diese Weitergabe schwächer ausfällt oder noch später greift, als es unsere Modelle nahelegen. Die aktuelle Bewertung bietet jedoch ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis für die Wette darauf, dass sich die Inflation als zäher erweist, als der Markt derzeit erwartet.

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