Rabobank erklärte, dass Pfund Sterling und Gilts kaum auf eine Rede des designierten britischen Premierministers Andy Burnham reagiert hätten, der bereits ab dem 20. Juli das Amt übernehmen könnte, sofern bis zur Frist am 17. Juli kein Gegenkandidat antritt. Die Ansprache konzentrierte sich auf Dezentralisierung und enthielt die Zusage, die fiskalischen Regeln des amtierenden Schatzkanzlers beizubehalten. Die Bank verwies auf die anhaltende Ruhe seit Burnhams Sieg bei der Nachwahl im Wahlkreis Makerfield Anfang des Monats, betonte jedoch zugleich, dass die Wahl des Schatzkanzlers die Auslegung des fiskalpolitischen Kurses der Regierung sowie potenzielle Finanzierungsrisiken prägen werde.
Nach Einschätzung der Bank kann politische Unsicherheit das Vertrauen, Investitionen und Wachstum belasten und das Pfund anfällig machen, falls die Gilt-Märkte volatil werden. Zudem verwies Rabobank auf aktuelle CFTC-Daten, die einen kräftigen Anstieg von Short-Positionen auf GBP zeigen. Rabobank erwartet, dass EUR/GBP auf Sicht von ein bis drei Monaten moderat auf 0,87 steigt, und argumentiert, dass eine weitere Neubewertung der Zinserhöhungserwartungen an die Bank of England das Pfund unter Druck setzen dürfte.
Politische Unsicherheit und makroökonomischer Ausblick für Sterling
Auf Basis des aktuellen Ausblicks gehen wir davon aus, dass das Britische Pfund in den kommenden Wochen gegenüber dem Euro nachgibt. Selbst bei Zusicherungen fiskalischer Stabilität durch den künftigen Premierminister bleibt die politische Unsicherheit ein erheblicher Gegenwind für Sterling. Wir positionieren uns dafür, dass der EUR/GBP-Wechselkurs von seinem aktuellen Niveau um 0,8550 sukzessive in Richtung 0,87 steigt.
Gestützt wird diese Sicht durch jüngste Konjunkturdaten, die nahelegen, dass eine Neubepreisung der Zinserwartungen für die Bank of England überfällig ist. Da die britische Inflation zuletzt auf 2,1% gefallen ist und damit leicht unter der Inflationsrate im Euroraum von 2,5% liegt, werden die Argumente dafür stärker, dass die Bank of England die Zinsen vor der Europäischen Zentralbank senkt. Ein enger werdender Zinsabstand dürfte das Pfund belasteten.
Zudem beobachten wir, dass spekulative Marktteilnehmer bereits Positionen gegen das Pfund aufbauen. Die jüngsten Daten zeigen, dass die Netto-Short-Positionen in Sterling-Futures auf über 5 Mrd. US-Dollar ausgeweitet wurden, was auf eine ausgeprägt negative Marktstimmung hindeutet. Dieser Aufbau an Short-Positionen könnte eine Abwärtsbewegung der Währung zusätzlich beschleunigen.
Risiken für britische Staatsanleihen und Strategieimplikationen
Während der Markt für britische Staatsanleihen (Gilts) derzeit stabil ist, sehen wir ihn als zentrale Verwundbarkeit. In Erinnerung bleibt der scharfe Ausverkauf bei Gilts und Pfund während der politischen Turbulenzen Ende 2022. Jedes Signal, dass die neue Regierung die Ausgaben ausweiten könnte, dürfte Investoren rasch verschrecken und eine ähnlich negative Reaktion auslösen.
Vor diesem Hintergrund prüfen wir Derivatestrategien, die von einem graduellen Anstieg des EUR/GBP profitieren würden. Der Kauf von EUR/GBP-Call-Optionen mit dreimonatiger Laufzeit bietet eine Möglichkeit, von unserem Kursziel von 0,87 zu profitieren. Diese Strategie ermöglicht die Partizipation an der Aufwärtsbewegung bei zugleich begrenztem Abwärtsrisiko, falls der politische Übergang reibungsloser verläuft als erwartet.
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