Scotiabank erklärte, EUR/USD habe nachgegeben, nachdem regionale Inflationsdaten aus deutschen Bundesländern auf ein nachlassendes Preiswachstum im Juni-Jahresvergleich hindeuteten und damit das Abwärtsrisiko für die vorläufige nationale Verbraucherpreisinflation (CPI) für Juni erhöhten, die um 8.00 ET veröffentlicht werden soll. Der Marktkonsens rechnete damit, dass die Preise im Monatsvergleich unverändert bleiben und im Jahresvergleich stabil bei 2,6% liegen. Separat deutete EZB-Präsidentin Christine Lagarde an, der Schritt im Juni solle nicht als „Versicherungs“-Zinsschritt eingeordnet werden, was impliziert, dass eine weitere Straffung weiterhin möglich ist.
Die Zinsbepreisung blieb kaum verändert; Swaps signalisierten bis September ein Straffungsrisiko von rund 15–16 Basispunkten. In der Charttechnik beschrieb Scotiabank EUR/USD als neutral bis bullisch, wies jedoch darauf hin, dass die Kassagewinne Schwierigkeiten hätten, den Widerstand bei 1,1450 zu überwinden, wodurch der Trend eher seitwärts verläuft. Unterstützung wurde bei 1,1300/25 gesehen; ein Ausbruch über 1,15 wurde als Schwelle für ein positiveres Euro-Momentum markiert.
EZB-Vorsicht trifft auf nachlassende Inflation
Wir sehen das Währungspaar EUR/USD an einem Widerstand, da widersprüchliche Signale der Europäischen Zentralbank und jüngste Konjunkturdaten zusammentreffen. Während EZB-Präsidentin Lagarde weiterhin signalisiert, dass eine hartnäckige Kerninflation kurzfristige Zinssenkungen verhindert, lag die jüngste Schnellschätzung der Verbraucherpreisinflation (CPI) für die Eurozone im Juni 2026 bei 2,4% und bestätigte damit den anhaltenden Abkühlungstrend. Diese Divergenz sorgt für Unsicherheit und hält das Paar in einer relativ engen Handelsspanne.
Die Derivatemärkte spiegeln diese Unentschlossenheit wider: Zinsswaps preisen bis September inzwischen weniger als eine Zinserhöhung um 10 Basispunkte durch die EZB ein – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 25 Basispunkten, die noch im vergangenen Quartal eingepreist waren. Diese Neubewertung der Zinserwartungen begrenzt das Aufwärtspotenzial des Euro, zumal das Paar Schwierigkeiten hat, den Widerstand bei 1,0950 zu überwinden. Wir beobachten eine Häufung von Verkaufsaufträgen rund um dieses wichtige technische und psychologische Niveau.
Dollarstärke, Seitwärtsmarkt und Optionsstrategien
Unterdessen zeigt die US-Wirtschaft eine persistenter hohe Inflation: Die jüngsten Kern-PCE-Daten für Mai verharrten bei 2,8% und lagen damit leicht über den Markterwartungen. Diese relative Stärke der US-Konjunktur und eine geduldigere US-Notenbank Fed bieten dem Dollar eine grundlegende Unterstützung. Historische Daten aus den Jahren 2023–2024 zeigen, dass Phasen einer geldpolitischen Divergenz zwischen Fed und EZB typischerweise den Dollar begünstigt haben – ein Muster, das sich derzeit offenbar erneut durchsetzt.
Aus technischer Sicht stufen wir das Paar als neutral bis leicht bärisch ein, mit einer starken Unterstützung in der Nähe von 1,0780. Ein nachhaltiger Ausbruch über die Marke von 1,1000 wäre notwendig, um nennenswert positives Momentum für den Euro zu erzeugen. Ohne einen solchen Impuls erscheinen Range-Trading-Strategien für die kommenden Wochen am sinnvollsten.
Da die einmonatige implizite Volatilität für EUR/USD zuletzt auf ein Sechsmonatstief von 5,8% gefallen ist, könnte der Verkauf von Optionen eine attraktive Strategie sein. Wir sind der Ansicht, dass der Verkauf kurzfristiger Strangles mit Strikes außerhalb der Spanne von 1,0750 bis 1,1000 es Händlern ermöglichen könnte, Prämien aus der erwarteten Abwesenheit einer größeren Richtungsbewegung zu vereinnahmen. Dieser Ansatz profitiert von der aktuellen Marktstagnation und der niedrigeren Volatilität.
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