EUR/USD stieg am Freitag wieder über 1,1400, nachdem das Paar von 13-Monats-Tiefs bei 1,1325 nach oben gedreht hatte. Ein etwas schwächerer US-Dollar zusammen mit fallenden Ölpreisen stützte die Gemeinschaftswährung, auch wenn der breitere Abwärtstrend bestehen blieb. Brent rutschte unter 73,00 US-Dollar je Barrel und kehrte damit auf Vorkriegsniveaus zurück; der Preis liegt in der Woche 9% im Minus und hat in den vergangenen sechs Wochen mehr als 30% verloren. Das nimmt den Druck von ölimportierenden Volkswirtschaften der Eurozone und verbessert die Risikostimmung.
Günstigere Energie verringert jedoch den Handlungsdruck für weitere EZB-Zinsschritte, was eine Euro-Erholung begrenzen könnte. Eine EZB-Umfrage zeigte, dass Verbraucher für die kommenden 12 Monate eine Inflation von 3,5% erwarten, nach zuvor 4,0%; zugleich rechnen die Befragten mittelfristig mit einem schrumpfenden BIP – ein Umfeld, das eine vorsichtigere geldpolitische Gangart begünstigen könnte. In den USA wurde die Dollar-Schwäche durch solide Daten und höhere Zinserwartungen an die Fed begrenzt, nachdem der PCE-Preisindex im Mai um 4,1% gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist – der stärkste Anstieg seit drei Jahren. Der Michigan-Index zum Verbrauchervertrauen wird später erwartet.
Vorübergehende Euro-Unterstützung durch Ölpreisrückgang
Wir sehen, wie das Währungspaar EUR/USD versucht, sich nach der jüngsten Erholung von Jahrestiefs nahe 1,0780 über 1,0850 zu halten. Der jüngste Rückgang der Brent-Notierung von über 95 US-Dollar auf etwa 85 US-Dollar je Barrel verschafft dem Euro vorübergehend Luft, da er die Energieimportkosten für den Kontinent senkt. Der Ölpreisrutsch bietet der Währung vorerst einen fragilen Boden.
Begrenztes Aufwärtspotenzial des Euro bei divergierender Geldpolitik
Wir halten diese Euro-Stärke jedoch für fragil und wenig nachhaltig. Da die jüngsten Eurostat-Daten zeigen, dass sich die Inflation in der Eurozone auf 2,3% abgekühlt hat und das BIP-Wachstum im ersten Quartal mit 0,1% schwach ausfiel, signalisiert die Europäische Zentralbank eine Pause. Das deckelt den Euro deutlich in Bezug auf jede nachhaltige Aufwärtsbewegung.
Der jüngste Rücksetzer des US-Dollar wirkt derweil eher wie eine Kaufgelegenheit als wie der Beginn eines neuen Trends. Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht wies robuste 210.000 neue Stellen im Mai aus, und bei einer hartnäckigen Kerninflation von 3,1% hat die Federal Reserve wenig Anlass, über Zinssenkungen nachzudenken. Diese fundamentale Divergenz zwischen einer nachlassenden Eurozone und einer robusten US-Konjunktur dürfte sich bald wieder durchsetzen.
Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir Strategien, die in den kommenden Wochen von einem stärkeren Dollar gegenüber dem Euro profitieren. Das Verkaufen aus dem Geld liegender Call-Optionen auf EUR/USD oder der Aufbau bearisher Put-Spreads könnten geeignete Wege sein, um sich für eine mögliche Bewegung zurück in Richtung der Tiefs bei 1,0780 zu positionieren. Die Volatilität ist relativ niedrig, was diese Strategien mit definiertem Risiko attraktiv macht.
Trader erinnern sich weiterhin an die hartnäckige US-Inflation der Jahre 2022 bis 2024, wodurch der Markt bei ersten Anzeichen anhaltenden Preisdrucks schnell an eine restriktive Fed glaubt. Dieses historische Muster stützt unsere Einschätzung, dass eine Dollar-Schwäche nur von kurzer Dauer sein dürfte. Der Euro bleibt mit erheblichen Gegenwinden konfrontiert: eine abkühlende Konjunktur und eine Notenbank, die ihren Straffungszyklus wahrscheinlich abgeschlossen hat.
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