Der Dow Jones Industrial Average legte am Mittwoch um rund 1% zu und schloss in der Nähe von 52.200 Punkten, nachdem er zwischenzeitlich etwa 52.250 erreicht hatte und damit nur knapp unter dem Rekordbereich um 52.300 blieb. Der Anstieg folgte einem Rückgang beim Rohöl: Beide wichtigen Referenzsorten verloren rund 4%. Zusätzlichen Rückenwind lieferten sinkende Renditen US-Staatsanleihen, nachdem die Rendite der zehnjährigen Treasuries unter 4,5% fiel. Eine Rotation weg von Technologie nach einem halbleitergetriebenen Wackler an der Nasdaq spielte dem stärker Value-lastigen Dow in die Karten. Gleichzeitig sorgt Alphabets geplanter Ersatz von Verizon für einen größeren Technologieanteil; Alphabet-Aktien stiegen nach der Nachricht über die Indexaufnahme.
Im Tagesverlauf drehte der Index bei etwa 51.550 nach oben und legte bis zum Handelsschluss rund 700 Punkte zu, während der Fünf-Minuten-Stoch-RSI von niedrigen einstelligen Werten auf etwa 88 sprang. Auf Tagesbasis liegt der Stoch-RSI nahe 55 und steigt, bei Kursen oberhalb der 50-Tage-EMA um 50.300. Der Fokus richtet sich auf die Veröffentlichung des Core PCE am Donnerstag um 12:30 GMT: erwartet werden 0,3% gegenüber dem Vormonat und 3,4% gegenüber dem Vorjahr, jeweils 0,1 Prozentpunkte über den vorherigen Werten. Der Gesamt-PCE wird im Jahresvergleich bei etwa 4% gesehen, zusammen mit der finalen BIP-Schätzung für das erste Quartal, den Auftragseingängen langlebiger Güter und den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe. Die Fed hat den Leitzins bei 3,75% belassen. Wichtige Marken sind Widerstände bei 52.250 und 52.300, darüber 52.500, sowie Unterstützungen bei 52.000 und anschließend 51.550.
Dow-Umkehr nach heißen Inflationsdaten und verschobenen Renditen
Der Optimismus am Markt war verfrüht, denn die Core-PCE-Daten der vergangenen Woche fielen mit 0,4% im Monatsvergleich deutlich heiß aus und übertrafen die Erwartungen. Das bestätigt den zuletzt restriktiveren Ton der Fed und rückt ihren Leitzins von 3,75% in ein neues Licht. Wir sehen das Scheitern der Rally an der Marke von 52.300 als direkte Folge dieser Inflationsüberraschung.
Auch der Rückenwind durch fallende Ölpreise hat nachgelassen. Während geopolitische Nachrichten kurzzeitig für einen Rücksetzer sorgten, wies der jüngste EIA-Bericht einen überraschenden Lageraufbau von 3,1 Millionen Barrel aus, was darauf hindeutet, dass die Nachfrage nachlassen könnte. Entscheidend ist jedoch, dass die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe infolge der Inflationsdaten wieder auf 4,65% gesprungen ist und damit die zinssensitiven Dow-Titel unmittelbar belastet.
Risiken und strategische Positionierung inmitten einer Neubewertung
Angesichts dieser Umkehr halten wir den VIX, der derzeit nahe einem Tief um 13 notiert, für eine Fehlbepreisung des Risikos eines tieferen Rücksetzers. Wir prüfen den Kauf von Absicherungs-Puts auf den DIA-ETF, mit Schwerpunkt auf Ausübungspreisen unterhalb der Unterstützung bei 51.550. Das bietet eine günstige Möglichkeit, Long-Positionen abzusichern oder auf einen weiteren Rückgang zu setzen.
Die Rotation aus Tech in die Value-Werte des Dow wirkt nun anfällig. Dieser Trade war vollständig auf fallende Renditen angewiesen – ein Trend, der sich nun scharf umgekehrt hat. Die jüngste Aufnahme von Alphabet in den Index erhöht zudem die Korrelation des Dow mit Big Tech und reduziert damit seine Eignung als „reines“ Value-Investment.
Historisch sind bei Rallys, die auf Zinssenkungshoffnungen fußen und dann auf heiße Inflationsdaten treffen, die ersten Unterstützungszonen entscheidende Tests der Marktüberzeugung. Für uns richtet sich der Blick klar auf 51.550 – das Sprungbrett der jüngsten, nun gescheiterten Rally. Ein klarer Bruch darunter würde signalisieren, dass der Markt ein „higher for longer“-Zinsumfeld neu einpreist; in diesem Fall würden wir eine schnelle Bewegung in Richtung des 50-Tage-Durchschnitts um 50.300 erwarten.
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