Der HCOB-Einkaufsmanagerindex (PMI) für den deutschen Dienstleistungssektor lag im Juni bei 48,6 und damit über der Konsensschätzung von 46,8. Zwar blieb der Index unter der Marke von 50, die Expansion von Kontraktion trennt, der Wert deutet jedoch auf ein milderes Schrumpfungstempo hin als erwartet.
Der Datenpunkt ergänzt das jüngste monatliche Stimmungsbild zur Aktivität im Dienstleistungssektor und liefert eine klarere Orientierung zu Nachfragebedingungen und Output-Trends. An den Märkten wird nun abgewogen, ob die Verbesserung lediglich eine kurzfristige Gegenbewegung darstellt oder ob sich im Quartalsverlauf eine nachhaltigere Dynamik abzeichnet.
Implikationen für deutsche Aktien und den Euro
Der deutsche Dienstleistungssektor ist im Juni zwar geschrumpft, der Rückgang fiel jedoch weniger stark aus als befürchtet. Ein PMI von 48,6 liegt weiterhin unterhalb der 50-Punkte-Schwelle, die Kontraktion von Wachstum trennt, übertraf die Erwartungen aber deutlich. Das spricht dafür, dass der ausgeprägte Pessimismus, der zuletzt in deutsche Vermögenswerte eingepreist wurde, möglicherweise etwas überzogen war.
Wir werten dies als Signal, die ausgeprägtesten bearishen Positionierungen in deutschen Aktien zurückzufahren. Der DAX hat im zweiten Quartal vor dem Hintergrund von Rezessionssorgen mehr als 8% nachgegeben, sodass diese „weniger schlechte“ Nachricht in den kommenden Wochen eine Erholungsrally auslösen könnte. Der Verkauf weit aus dem Geld liegender Put-Optionen auf den DAX könnte ein pragmatischer Ansatz sein, um Prämien zu vereinnahmen, da die Wahrscheinlichkeit eines abrupten, unmittelbaren Einbruchs tendenziell gesunken sein dürfte.
Die Daten liefern zudem etwas Rückenwind für den Euro. Nachdem die jüngsten Inflationsdaten im Euroraum auf 2,4% abgekühlt sind, stand die Europäische Zentralbank unter Druck, Zinssenkungen in Betracht zu ziehen. Die besser als erwartete Zahl könnte jedoch Argumente für eine abwartendere Haltung liefern. Das dürfte das Währungspaar EUR/USD stabilisieren; kurzfristige Call-Spread-Strategien auf den Euro erscheinen daher als interessantes taktisches Instrument.
Marktstimmung und Vorsicht nach vorn
Historisch kann es ein Zeichen für den Höhepunkt der Marktangst sein, wenn Frühindikatoren wie der PMI aufhören, sich zu verschlechtern, und zugleich die Erwartungen übertreffen. Der VSTOXX, ein wichtiger Indikator für die Volatilität europäischer Aktien, notiert mit 22 auf erhöhtem Niveau und spiegelt damit die hohe Unsicherheit wider. Das könnte ein günstiger Zeitpunkt sein, über Strategien nachzudenken, die von einem graduellen Rückgang der Volatilität profitieren.
Gleichzeitig gilt: Ein einzelner Datenpunkt ist noch kein Trend, und der Dienstleistungssektor schrumpft weiterhin. Die anstehenden Zahlen zur Industrieproduktion sowie der nächste Flash-PMI werden entscheidend sein, um zu bestätigen, ob sich tatsächlich ein Boden ausbildet. Vorerst ist dies daher eher ein Hinweis, weniger bearish zu sein – nicht aber ein Signal, gegenüber der deutschen Konjunktur aggressiv bullish zu werden.
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