China hat den Renminbi seit Jahresbeginn nominal gegenüber USD, EUR und wichtigen nordasiatischen Währungen (JPY, KRW und TWD) aufwerten lassen – darunter um knapp 11% gegenüber dem KRW. Mitte Juni forderte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz ein neues Plaza-Abkommen, um das EU-Handelsdefizit mit China anzugehen, und deutete an, die Währung sei um 30% unterbewertet. Die jüngsten Bewegungen der Kassakurse erschweren jedoch Argumente, die sich auf eine Unterbewertung stützen. Die schwache Inflation hat eine Aufwertung des real effektiven Wechselkurses (REER) gebremst, obwohl die nominalen Zugewinne die früheren Erwartungen übertroffen haben, wonach REER-Stärke vor allem über Inflationsdifferenzen zustande kommen würde.
Offizielle Handelsdaten deuten auf eine taktische Logik hin: Die Importe aus Japan, Südkorea und Taiwan sind stark gestiegen, wobei die Halbleiternachfrage als Haupttreiber beschrieben wird. Nach der Klassifikation des Harmonisierten Systems kletterten die Importe in HS 85 aus den drei Jurisdiktionen allein im Mai auf über 300 Mrd. CNY – ein Plus von nahezu 60% gegenüber dem Vorjahr. Der Bericht verweist außerdem auf große NA-3-Handelsüberschüsse und Recycling-Ströme, die Währungsfehlbewertungen stützen, und prognostiziert, dass die CNY-Stärke gegenüber NA-3 nachlassen dürfte, sobald der aktuelle Druck nachlässt, und sich später umkehren könnte, wenn Chinas inländische Produktion die bestehenden Exporteure herausfordert.
Bewusste Politik und Finanzstrategien
Wir sind der Ansicht, dass die Stärke des Yuan, insbesondere gegenüber Yen und Won, eine bewusste politische Entscheidung ist. Dadurch werden Importe kritischer Technologien günstiger – eine Sichtweise, die durch Zolldaten vom Juni 2026 gestützt wird, wonach die Halbleiterimporte gegenüber dem Vorjahr um mehr als 25% gestiegen sind. Dieser Trend dürfte noch einige Wochen anhalten, solange die Lageraufstockung weiterläuft.
Kurzfristig bevorzugen wir Trades, die von einer anhaltenden Outperformance des Yuan gegenüber seinen nordasiatischen Pendants profitieren. Das könnte den Kauf von CNH-Call-Optionen gegen JPY oder KRW umfassen, also eine Wette auf weitere Aufwertung. Das Währungspaar CNH/JPY, das inzwischen über 22,5 notiert, scheint weiterhin Momentum zu haben, solange diese Importpolitik in Kraft bleibt.
Allerdings sehen wir dies als temporäre Konstellation, die sich zurückbildet, sobald die Anforderungen der inländischen Produktion erfüllt sind. Wir beobachten die Berichte zur chinesischen Chipfertigung genau, da jeder Durchbruch in Richtung Selbstversorgung eine schnelle politische Kursänderung auslösen könnte. Damit ist die Phase der Stärke zeitlich begrenzt, und Händler müssen wachsam bleiben.
Zur Vorbereitung auf diese mögliche Umkehr prüfen wir den Kauf länger laufender CNH-Put-Optionen gegen den Yen. Das bietet eine kostengünstige Möglichkeit, sich für eine deutliche Abschwächung des Yuan zu positionieren, wenn die Importstrategie endet. Die Historie – etwa die Phase nach der politischen Weichenstellung 2015 – zeigt, dass Peking seine währungspolitischen Prioritäten abrupt ändern kann.
Implikationen für reale Wechselkurse und externe Kritik
Die Stärke des Yuan gegenüber Dollar und Euro ist auch deshalb bemerkenswert, weil sie nicht durch Inflation getrieben wird. Da die CPI-Daten für Juni nur bei 0,5% lagen, wertet der real effektive Wechselkurs der Währung deutlich auf. Diese nominale Stärke trägt dazu bei, Kritik aus den USA oder der EU an einer Unterbewertung der Währung abzufedern.
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