ABn Amro hat seine Erwartungen für EUR/USD zurückgenommen, obwohl die Bank den US-Dollar auf breiter Basis schwächer sieht. Das Institut hat seine Einschätzung angepasst, nachdem es seine Haltung zur Europäischen Zentralbank überarbeitet und politische Risiken im Zusammenhang mit den Wahlen in Frankreich und den USA stärker berücksichtigt hat.
In den aktualisierten Policy-Annahmen rechnet ABn Amro damit, dass die Europäische Zentralbank noch eine weitere Zinserhöhung liefert, während die US-Notenbank Federal Reserve voraussichtlich taubenhafter bleibt, als es die Märkte erwarten. Vor diesem Hintergrund prognostiziert die Bank EUR/USD nun bei 1,18 im Jahr 2026 und 1,23 im Jahr 2027 – was einen etwas weicheren Euro-Pfad impliziert als in den bisherigen Projektionen.
Geldpolitik und politische Risiken prägen den kurzfristigen Ausblick
Wir erwarten weiterhin, dass der US-Dollar mittelfristig auf breiter Basis nachgibt. Allerdings haben wir unsere EUR/USD-Prognosen angesichts jüngster politischer Entwicklungen und Notenbank-Signale moderat angepasst. Zusammengenommen deuten diese Faktoren bis zum Jahresende auf etwas weniger Aufwärtspotenzial für das Währungspaar hin.
Die jüngste französische Parlamentswahl hat zu einem Patt im Parlament geführt und damit Unsicherheit über die fiskalische Stabilität geschaffen, was das Potenzial des Euro begrenzt. Dieses politische Risiko ist ein erheblicher Gegenwind, auch wenn die Inflation im Euroraum laut dem Bericht des vergangenen Monats mit 2,4% hartnäckig bleibt. Diese persistente Teuerung hält den Druck auf die EZB aufrecht, noch eine finale Zinserhöhung vorzunehmen und stützt damit die Gemeinschaftswährung nach unten ab.
Gleichzeitig zeigt die US-Konjunktur deutlichere Abkühlungstendenzen: Der jüngste Arbeitsmarktbericht für Juni wies lediglich 150.000 neue Stellen (Non-Farm Payrolls) aus. Das untermauert unsere Einschätzung, dass der nächste Schritt der Fed eher eine Zinssenkung als eine Zinserhöhung sein dürfte. Diese geldpolitische Divergenz ist der Hauptgrund dafür, dass wir den Dollar bis 2027 gegenüber einem Währungskorb schwächer sehen.
Strategische Trading-Implikationen für EUR/USD
Angesichts dieses Ausblicks eines langsamen, begrenzten Anstiegs von EUR/USD raten wir von einfachen Long-Call-Optionspositionen ab. Stattdessen sollten Trader den Aufbau von Bull-Call-Spreads in Betracht ziehen, mit einem Ziel in Richtung 1,16 im kommenden Quartal. Diese Strategie profitiert von einem graduellen Anstieg und begrenzt zugleich die anfänglichen Kosten sowie das Risiko durch Zeitwertverfall.
Für Trader mit Fokus auf laufende Erträge könnte der Verkauf von Out-of-the-Money-Puts unterhalb der jüngsten Unterstützung bei 1,12 sinnvoll sein. Diese Herangehensweise profitiert von seitwärts tendierenden oder leicht steigenden Kursen. Aufgrund der politischen Risiken sollten jedoch Kern-Long-Positionen mit schützenden Puts flankiert werden, um gegen einen abrupten Rückschlag abzusichern.
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