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April-Rückblick: Zölle, Spannungen und Verschiebungen im Handel

by VT Markets
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Aug 12, 2026

Der April brachte starke Kursschwankungen, nachdem neue Zölle in Kraft traten und sich die Spannungen zwischen den USA und China zuspitzten.

Den 2. April bezeichnete Donald Trump als „Liberation Day“, als er weitreichende Zölle ankündigte. Ziel: aus US-Sicht „unfaire“ Handelsregeln anderer Länder gegenüber den USA korrigieren.

Vorgesehen war ein Grundzoll von 10%. Für Länder mit hohem Handelsüberschuss gegenüber den USA (also wenn sie deutlich mehr in die USA verkaufen als sie von dort kaufen) sollten höhere Gegenzölle gelten: 20% für die EU sowie zusätzlich 34% auf chinesische Waren. Zusammen mit bereits bestehenden 20% ergab sich für China faktisch ein Zollsatz von 54%.

Die Zölle traten am 5. April in Kraft und lösten Turbulenzen aus: Weltweite Aktienmärkte fielen stark und verzeichneten die schwächsten Ergebnisse seit der Covid-Pandemie. Öl geriet unter Druck, weil Anleger eine schwächere Nachfrage infolge einer globalen Konjunkturabkühlung befürchteten. Gold stieg weiter, da Investoren den Rohstoff als „sicheren Hafen“ nutzen (also als Anlage, die in Krisen oft stabiler bleibt). Auch am Devisenmarkt kam es zu starken Ausschlägen.

Die Trump-Regierung setzte anschließend die Zölle für 90 Tage aus – mit Ausnahme der China-Zölle. Damit sollten Länder Zeit erhalten, Handelsabkommen mit den USA neu zu verhandeln.

Das beruhigte die Märkte etwas. Doch das Risiko eines Handelskriegs zwischen den zwei größten Volkswirtschaften bleibt hoch. Beide Seiten verhängten Vergeltungszölle (also Gegenmaßnahmen). Sie liegen bei bis zu 125%; die USA erhöhten Zölle auf chinesische Importe auf 145%. Das kommt faktisch einem Handelsstopp gleich. Die Welthandelsorganisation (WTO) erwartet für das Jahr einen Rückgang des US‑China-Handels um 80%.

In diesem Monatsbericht betrachten wir die Folgen der geopolitischen Lage für fünf Währungen und fünf Branchen, die besonders von den Zöllen betroffen sind. Zudem nennen wir Faktoren, die künftig wichtig werden. Da sich die Lage schnell ändern kann, ist die Marktstimmung (also die Risikobereitschaft der Anleger) laufend zu beobachten.

Gold

Gold markiert weiter neue Rekorde, weil Anleger in unsicheren Zeiten „sichere Häfen“ suchen. Nach dem Sprung über 3.000 US‑Dollar je Unze (oz, eine Gewichtseinheit für Edelmetalle) Mitte März ging es weiter nach oben, zuletzt bis etwa 3.500 US‑Dollar je Unze.

Nach jüngsten Aussagen des US-Finanzministers gab es zwar eine Korrektur (also einen Rücksetzer nach einer starken Rally). Solange sich die Auslöser nicht grundlegend ändern, bleiben Rücksetzer aus Sicht vieler Investoren Kaufgelegenheiten.

Abb. 1: Tageschart Gold mit Hochs bei 3.500 US‑Dollar je Unze

Öl

Öl stand zuletzt stark unter Druck: Ein wichtiger Unterstützungsbereich (ein Kursniveau, an dem Preise in der Vergangenheit häufig wieder gedreht haben) um 65,00 US‑Dollar wurde unterschritten, Anfang April wurde ein Vierjahrestief erreicht. Ein schwächerer US‑Dollar (USD) entlastete zwar etwas, doch die Sorge vor den Folgen der Zölle für die Weltwirtschaft überwiegt.

Eine schwächere Weltkonjunktur senkt die Ölnachfrage. Zudem könnte ein längerer Handelskonflikt zwischen den USA und China Chinas Industrie und Export belasten – und damit auch den Bedarf an Rohöl.

Eine Entspannung oder niedrigere Zölle zwischen den USA und China würde den Druck auf Öl verringern.

Abb. 2: Tageschart Öl mit Bruch der wichtigen Unterstützung knapp über 65,00 US‑Dollar

Devisen (Forex)

USD

Der US‑Dollar zeigte zuletzt anhaltende Schwäche. Der Dollarindex DXY (ein Korb aus wichtigen Währungen, der die USD‑Stärke misst) fiel seit Einführung der Zölle Anfang April auf Dreijahrestiefs. Zuvor hatte der IWF seine Prognose für das US‑Wachstum 2025 auf 1,8% gesenkt.

Zusätzlich verkauften Anleger US‑Dollar und wechselten in als stabiler geltende „sichere Hafen“-Währungen wie den Yen (JPY), weil die Zollpolitik die Unsicherheit erhöhte.

Der Ausblick bleibt schwierig: Die US‑Notenbank Fed muss mögliche Preissteigerungen durch Zölle (Inflation, also steigende Verbraucherpreise) gegen das Risiko einer Konjunkturabkühlung abwägen. Bleiben die Spannungen hoch und mehren sich Hinweise auf ein schwächeres Wachstum, könnte der Dollar weiter nachgeben.

Entspannen sich die Handelskonflikte und verbessert sich der Konjunkturblick, könnte sich der Dollar stabilisieren oder wieder zulegen.

Abb. 3: Wochenchart DXY (USD‑Korb) mit Bruch der Unterstützung und neuen Dreijahrestiefs

EUR

Der Euro profitierte, weil Anleger ihn in der Zollphase als stabilere Alternative zum US‑Dollar betrachteten. Zudem reagierte Europa mit Maßnahmen, die das Wachstum stützen sollen: Fiskalpolitik (Staatshaushalt, also Ausgaben und Investitionen), Geldpolitik der EZB (Steuerung von Zinsen und Liquidität) sowie Investitionspläne Deutschlands.

Seit Anfang März legte der Euro mehr als 11% gegenüber dem US‑Dollar zu. Bleibt der Dollar unter Druck, könnte der Euro moderat weiter steigen.

Abb. 4: Wochenchart EURUSD – der Euro erholt sich nach längerer Schwächephase.

CAD

Der kanadische Dollar (CAD) wurde von den am 2. April angekündigten Zöllen weniger direkt getroffen. Zuvor hatte Kanada jedoch bereits 25%-Zölle auf viele Produkte abbekommen. Das löste einen starken Ausverkauf aus, der CAD fiel auf ein Fünfjahrestief.

Die Bank of Canada stoppte daraufhin Zinssenkungen. Das stützte den CAD, zusätzlich half die jüngste USD‑Schwäche. Gegenüber dem US‑Dollar stabilisierte sich der CAD.

Kanadas Perspektive hängt stark vom Konflikt mit dem wichtigsten Handelspartner ab. Die Wirtschaft ist exportorientiert; rund 75% der Exporte gehen in die USA. Das spricht für Gegenwind, bis ein neues Abkommen steht.

AUD

Der australische Dollar (AUD) geriet indirekt unter Druck. Australien war zwar kein Hauptziel der Zölle, doch die enge Handelsverflechtung mit China und die steigenden Spannungen zwischen Washington und Peking wirkten auf den AUD.

China ist Australiens wichtigster Handelspartner. Schwächt sich Chinas Wirtschaft ab, sinkt die Nachfrage nach australischen Exporten, vor allem Eisenerz. Australien ist zudem stark rohstoffabhängig; fällt die weltweite Rohstoffnachfrage, belastet das den AUD.

Die jüngste Erholung gegenüber dem „Greenback“ (umgangssprachlich: US‑Dollar) erklärt sich vor allem durch USD‑Schwäche, weniger durch bessere Fundamentaldaten (also wirtschaftliche Grunddaten) Australiens. Entscheidend bleiben die US‑China‑Spannungen und Hinweise auf Wachstum in China.

JPY

Beim Yen (JPY) wirken mehrere Faktoren. Als „sicherer Hafen“ profitierte er zunächst, weil Anleger in unsicheren Phasen in den Yen umschichten.

Gleichzeitig trafen Japan hohe Zölle, darunter 25% auf Autos. Da die USA rund 20% der japanischen Autoexporte abnehmen, belastet das die exportorientierte Wirtschaft. Der IWF senkte deshalb die Wachstumsprognose auf 0,6%. Die Bank of Japan agiert dadurch bei der Geldpolitik vorsichtiger (also weniger bereit, Zinsen zu erhöhen oder die Politik zu straffen).

Japan gehört zudem zu den ersten Ländern, die Gespräche in den USA über neue Handelsabkommen aufnehmen. Das könnte die Lage entschärfen. Kurzfristig dürfte der Yen wegen seines „Sicherer-Hafen“-Status unterstützt bleiben, solange die Unsicherheit hoch ist.

Abb. 5: Tageschart USDJPY – der Yen wertet seit Jahresbeginn gegenüber dem US‑Dollar auf

Indizes

Globale Aktienindizes beruhigten sich, nachdem sie beim Start der Zölle stark gefallen waren – mit den schwächsten Ergebnissen seit der Covid‑Pandemie. US‑Indizes lagen mehr als 20% unter ihren Februar-Hochs; besonders stark traf es Technologieaktien und den Nasdaq (ein US‑Index mit vielen Techwerten).

Es gab zwar eine leichte Erholung. US‑Finanzminister Scott Bessent sagte, ein Deal mit China sei „unausweichlich“. Dennoch bleiben Sorgen wegen einer globalen Konjunkturabkühlung.

Weitere Signale aus der Trump-Regierung, dass Zölle „irgendwann deutlich sinken“ könnten, stützen die Hoffnung auf eine spätere Verhandlungslösung zwischen den beiden größten Volkswirtschaften.

Abb. 6: Tageschart SPX (S&P 500) – starker Rückgang von über 20% seit Mitte Februar

Industrie (Manufacturing)

Die Industrie gehörte zu den größten Verlierern, weil Zölle globale Lieferketten (also internationale Liefer- und Produktionswege) stören. Viele Unternehmen sind auf importierte Teile angewiesen; dadurch steigen die Produktionskosten deutlich. Besonders betroffen war die Autoindustrie: Die US‑Regierung will Importe zurückdrängen, um die Nachfrage nach in den USA produzierten Autos zu erhöhen. Elon Musk kündigte an, Tesla werde die Produktion im Inland verdoppeln.

Einzelhandel (Retail)

Viele Produkte werden wegen niedrigerer Kosten in Asien hergestellt. Die Gewinnmargen (also der Spielraum zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis) sind oft klein. Steigende Kosten dürften daher an Verbraucher weitergegeben werden. Das kann die Inflation erhöhen und Verkäufe sowie Konsum dämpfen.

Landwirtschaft (Agriculture)

Die Landwirtschaft trafen Vergeltungszölle besonders stark. Die Branche ist auf Exporte angewiesen – vor allem in Märkte wie China, Kanada und die EU.

Sinkt die Nachfrage auch nur kurzfristig, kann das zu Überangebot und Verderb (also weggeworfenen Lebensmitteln) führen. Das belastet Einkommen der Betriebe und kann staatliche Hilfen (Subventionen) wahrscheinlicher machen.

Pharma

Auch die Pharmaindustrie hängt stark von Ländern ab, die von hohen Zöllen betroffen sind, vor allem Indien und China. Zölle stören Lieferketten und erschweren die Beschaffung wichtiger Wirkstoffe (aktive Bestandteile von Medikamenten). Das erhöht das Risiko von Engpässen bei wichtigen Arzneien – zusätzlich zu höheren Kosten und Inflationsdruck.

Da Pharma ein wichtiger Teil der indischen und chinesischen Wirtschaft ist, können selbst kleinere Störungen weltweit spürbare Folgen haben.

Technologie (Tech)

Der Technologiesektor wurde besonders stark getroffen, auch wegen der geopolitischen Dimension. USA und China konkurrieren um Führungsrollen bei Innovation und KI (Künstliche Intelligenz, also Software, die aus Daten lernt und Aufgaben automatisch löst). Die Produktion ist global verzahnt; Zölle auf Bauteile erhöhen die Kosten, die oft an Kunden weitergegeben werden – das treibt Preise.

Krypto

Bitcoin fiel zunächst, weil Anleger in unsicheren Phasen risikoärmere Anlagen bevorzugen (Risk-off: weniger Bereitschaft, riskante Anlagen zu halten) und riskantere Werte wie Kryptowährungen meiden.

Abb. 7: Wochenchart Bitcoin – trotz des jüngsten Ausverkaufs wirkt der Trend weiterhin robust

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