
Der Oktober war ein Wendepunkt für die globalen Märkte: Geopolitik und Konjunktursignale veränderten die Stimmung der Anleger spürbar.
Im Fokus stand die Waffenruhe zwischen Hamas und Israel. Gleichzeitig verhängten die USA neue Sanktionen gegen Russlands zwei größte Ölkonzerne Lukoil und Rosneft (Sanktionen sind staatliche Strafmaßnahmen, die Geschäfte und Geldflüsse einschränken).
Damit stieg der Druck auf Moskau. US-Präsident Donald Trump zeigte sich zunehmend ungeduldig mit Wladimir Putin und dem Krieg in der Ukraine.
Zudem flammten die Spannungen im Handel zwischen USA und China wieder auf: Trump drohte mit 100% Zöllen auf chinesische Waren (Zölle sind Importsteuern), als Reaktion auf Pekings Exportbeschränkungen für strategisch wichtige Mineralien.
Der Ton änderte sich rasch, als Trump und Chinas Präsident Xi Jinping in Asien zusammentrafen. Beide vereinbarten einen Handelsrahmen (ein Grundgerüst für weitere Verhandlungen), darunter eine befristete Aussetzung von Zöllen und Zusagen für zusätzliche Käufe von Agrarprodukten. Das stützte die Stimmung an den Weltbörsen.
Unterdessen bremst der Shutdown der US-Regierung, inzwischen in der fünften Woche, die Veröffentlichung wichtiger Konjunkturdaten (ein Shutdown bedeutet: Teile der Verwaltung stehen still). Trotzdem senkte die US-Notenbank Fed den Leitzins um 25 Basispunkte (Basispunkt = 0,01 Prozentpunkte; 25 Basispunkte = 0,25 Prozentpunkte) – die erste Senkung seit Juni. Fed-Chef Jerome Powell betonte, weitere Schritte hingen von neuen Daten ab.
Die Entscheidung fiel zusammen mit etwas schwächeren Inflationsdaten. Das nährte die Erwartung, dass weitere Zinssenkungen möglich sind, wenn der Preisdruck weiter nachlässt.
Bei Rohstoffen stieg Gold kurz über 4.000 US-Dollar je Unze (Unze = ca. 31,1 Gramm), fiel dann aber so stark wie an keinem Tag seit mehr als zehn Jahren. Öl erholte sich von Jahrestiefs, weil Sanktionen das russische Angebot verringerten.
Devisen (Forex)
Sorgen um das Weltwachstum und die Nachfrage nach sicheren Häfen (Anlagen, die in Krisen gefragt sind) stützten den US-Dollar über weite Teile des Oktobers. Der Shutdown begrenzte jedoch die Gewinne, weil wichtige Daten fehlten.
Die schwächeren US-Inflationszahlen (CPI = Verbraucherpreisindex) verstärkten Spekulationen über weitere Zinssenkungen der Fed – das könnte den Dollar später belasten.
Der Euro gab nach, weil die EZB (Europäische Zentralbank) zwischen Wachstum und Inflation abwägen muss. Nach einem starken Jahr 2025 ging das Währungspaar EURUSD in eine leichte Korrektur über (Korrektur = Gegenbewegung nach einem starken Lauf). Händler achten auf kommende Inflations- und Arbeitsmarktdaten als Richtungssignal.

Abb. 1: Vier-Stunden-Chart von EURUSD: Fortsetzung des Abwärtskanals bei anhaltender Dollar-Stärke im Oktober.
Gold
Gold und Silber stiegen im Oktober auf Rekordstände. Gold übersprang 4.000 US-Dollar je Unze und erreichte etwa 4.380 US-Dollar. Silber kletterte über 50 US-Dollar je Unze bis 54,40 US-Dollar.
Danach folgte eine normale Korrektur. Der starke Tagesverlust am 21. Oktober war der größte seit mehr als zehn Jahren. Die zentralen Treiber bleiben jedoch: geopolitische Risiken, unsichere Inflation und hohe Käufe durch Zentralbanken (Zentralbanken sind staatliche Notenbanken, die Währung und Zinsen steuern).
Der Rückgang wirkt wie eine technische Korrektur und Gewinnmitnahmen (Verkäufe nach Kursgewinnen), begünstigt durch Entspannungssignale und eine zeitweise höhere Risikofreude (risk-on = Anleger kaufen eher riskante Anlagen).

Abb. 2: Vier-Stunden-Chart für Gold: Ausbruch über 4.000 US-Dollar je Unze und anschließender Rücksetzer zum Monatsende.
Öl
Öl geriet Anfang Oktober unter Druck und fiel in Richtung Jahrestiefs um 56 US-Dollar je Barrel (Barrel = rund 159 Liter). Grund: OPEC+ (OPEC-Staaten plus Partner wie Russland) fuhr frühere Förderkürzungen zurück, während Produzenten außerhalb der OPEC wie USA, Brasilien und Kanada mehr Öl förderten. Schwächere Nachfrage verstärkte die Sorge vor Überangebot (mehr Angebot als Nachfrage).
Zur Monatsmitte drehte der Markt, nachdem die USA Sanktionen gegen Lukoil und Rosneft verhängt hatten. Einige Käufer in Asien reduzierten daraufhin Importe aus Russland aus Angst vor Sekundärsanktionen (Strafen gegen Drittparteien, die trotz Verbots Geschäfte machen). Das verknappte das Angebot kurzfristig und stützte die Preise.
Analysten halten die Erholung aber für möglicherweise nicht von Dauer, falls die Sanktionen ihr Ziel erreichen und Russland zu Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs bewegen.

Abb. 3: Vier-Stunden-Chart für Öl: Schwäche zu Monatsbeginn, danach Erholung nach US-Sanktionen gegen russische Energiekonzerne.
Krypto
Bitcoin schwankte im Oktober stark, blieb aber in seiner übergeordneten Handelsspanne stabil. Die Kryptowährung erreichte früh im Monat ein neues Rekordhoch über 125.000 US-Dollar. Danach führte eine Welle an Liquidationen bei Derivaten (Zwangsverkäufe, wenn gehebelte Termingeschäfte wie Futures/Optionen gegen Anleger laufen) zu einem schnellen Kursrutsch.
Anschließend stabilisierten sich die Kurse. Bessere Stimmung und weniger geopolitischer Druck halfen BTC, sich von Tiefs knapp unter 104.000 US-Dollar in Richtung der 115.000er-Zone zu erholen.

Abb. 4: Tageschart für Bitcoin: hohe Schwankungen im Oktober bei intaktem übergeordnetem Aufwärtstrend.
Indizes
US-Aktien starteten im Oktober mit einem deutlichen Rücksetzer, ausgelöst durch die Angst vor einem neuen Handelskonflikt zwischen USA und China. Die Lage beruhigte sich, nachdem Trump erklärte, Washington wolle „mit China arbeiten, nicht gegen China“.
Die Märkte zogen an, nachdem Finanzminister Scott Bessent ein Grundgerüst für ein Handelsabkommen ankündigte – vor dem erwarteten Treffen zwischen Trump und Xi in Südkorea. Der S&P 500 stieg in der Folge auf neue Rekordstände, gestützt durch anstehende Zahlen großer Technologiekonzerne.
Auch europäische Indizes legten zu: Der FTSE erreichte neue Höchststände. In Asien markierten Nikkei und ASX Rekordniveaus. Chinas A50-Index sprang auf den höchsten Stand seit einem Jahr, getragen von neuer Hoffnung auf Fortschritte im Handel.

Abb. 5: Vier-Stunden-Chart für den S&P 500: Abverkauf wegen Handelsangst, danach Kurssprung („Gap“) nach der Meldung zum Handelsrahmen USA–China.
Markt-Playbook: Handelsplan für November
Mit US-Indizes auf Rekordniveau, einer frischen Zinssenkung der Fed und nachlassenden Spannungen zwischen USA und China startet der November mit besserer Stimmung – bei zugleich höherem Risiko.
Warum US-Indizes Rekorde erreichten
Die Kursrallye wurde von drei Faktoren getragen:
- Lockerere Geldpolitik: Die Fed senkte um 25 Basispunkte, was Hoffnungen auf mehr Liquidität stützte (Liquidität = viel Geld im System, das investiert werden kann).
- Mehr Stabilität im Handel: Der Rahmen USA–China nahm Risikoanlagen einen wichtigen Belastungsfaktor.
- Unternehmensgewinne: Viele Firmen lagen weiter über den Erwartungen, vor allem Technologie und Banken.
Das führte zu breiteren Kursgewinnen am Aktienmarkt und zu höherer Risikobereitschaft weltweit.
Wirkung der Zinssenkung
Die Entscheidung bestätigte die Sicht, dass die Notenbankpolitik wieder unterstützt. Das lenkte Kapital in Bereiche, die stark von Wachstum und Zinsen abhängen – etwa Technologie, Konsumgüter ohne täglichen Bedarf (Consumer Discretionary) und Finanzwerte.
Powells vorsichtiger Ton zeigt jedoch: Weitere Schritte hängen von neuen Daten ab. Das kann zu stärkeren Schwankungen führen, wenn Inflation oder Beschäftigung höher ausfallen als erwartet.
Strategie und Ideen
Anleger können in führenden Indizes Rücksetzer zum Einstieg nutzen oder in Branchen umschichten, die von niedrigeren Zinsen profitieren. Wachstumsaktien und zinssensible Anlagen dürften besser laufen, wenn der Kurs sinkender Zinsen anhält.
Wer kurzfristig positionieren will, kann auch Optionsstrategien prüfen (Optionen sind Rechte zum Kauf oder Verkauf zu einem festen Preis), um Chancen nach oben zu nutzen und Verluste zu begrenzen, falls die Stimmung kippt.
Risikoblick
Die Bewertungen sind hoch, und viel Optimismus ist in Kursen eingepreist. Schwache Daten oder neue geopolitische Spannungen können daher starke Reaktionen auslösen. Wichtige Signale liefern Inflationszahlen, Arbeitsmarktdaten und Aussagen der Fed.
Wichtig bleiben passende Positionsgrößen, Absicherung (Hedging = Schutz vor Kursverlusten) und selektive Gewinnmitnahmen, um bei hohen Kursen nicht zu stark exponiert zu sein.
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