Indiens externe Konten gerieten unter Druck, da schwächere Kapitalströme, geringere ausländische Portfoliozuflüsse und eine engere Netto-Position bei ausländischen Direktinvestitionen (FDI) dazu beitrugen, dass die Zahlungsbilanz im GJ26 ins Defizit rutschte – zusammen mit einer Abschwächung der Offshore-Finanzierungen. Zu Beginn des GJ27 kam es zu beträchtlichen Aktienabflüssen, wenngleich es eine gewisse Erholung bei ausländischen Portfolioinvestitionen (FPI) in Schuldpapieren und bei FDI gab. Als Reaktion führten die Reserve Bank of India (RBI) und die Regierung im Juni 2026 ein Maßnahmenpaket ein, das darauf abzielt, Zuflüsse zu stabilisieren und das Kapitalbilanzkonto zu stützen.
Auch die geld- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wurden angepasst, da Inflationsrisiken weniger mit dem Monsun als vielmehr mit geopolitischen Faktoren begründet wurden. Eine zuvor erwartete Zinserhöhung für das GJ27 wurde gestrichen, während die Jahresendprognose für die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen auf 6,9% festgesetzt wurde. Die Fiskalpolitik dürfte sich im GJ27 leicht lockern: Höhere Subventionen und ein langsameres Einnahmenwachstum werden voraussichtlich zu einem moderat größeren Haushaltsdefizit führen.
Chancen in Renten-, Aktien- und Devisenmärkten
Da von der RBI keine Zinserhöhungen mehr erwartet werden, sehen wir eine klare Chance bei Zinsfutures. Die Prognose eines Renditerückgangs bei 10-jährigen Anleihen impliziert steigende Anleihekurse, was den Kauf von Futures auf 10-jährige Staatsanleihen Indiens (Government of India) zu einer attraktiven Strategie macht. Die Renditen sind bereits von jüngsten Hochs über 7,2% auf rund 7,05% Ende Juni zurückgekommen – ein Hinweis darauf, dass der Markt diese Kursänderung bereits teilweise einpreist.
Diese dovische Wende der Notenbank ist zudem ein starker Rückenwind für Aktien. Historisch schneiden indische Märkte gut ab, wenn der geldpolitische Straffungszyklus pausiert – wie Ende 2018, als eine deutliche Marktrally folgte. Entsprechend sollten wir den Kauf von Nifty-50-Call-Optionen oder Futures-Kontrakten in Betracht ziehen, um uns für eine erwartete Aufwärtsbewegung in den kommenden Wochen zu positionieren.
Am Devisenmarkt sind die Maßnahmen von Regierung und RBI ausdrücklich darauf ausgelegt, die Indische Rupie zu stützen und Zuflüsse anzuziehen. Das senkt die Wahrscheinlichkeit einer abrupten Abwertung gegenüber dem US-Dollar. Wir halten den Verkauf aus dem Geld liegender USD/INR-Call-Optionen für einen pragmatischen Ansatz zur Vereinnahmung von Prämien, zumal die Daten zeigen, dass die implizite Einmonatsvolatilität nach den Ankündigungen bereits von über 6,5% auf unter 5% gefallen ist.
Risiken und Marktausblick
Die erwartete Schwäche der Kapitalströme und ein etwas höheres Fiskaldefizit bleiben Belastungsfaktoren, stehen nun jedoch hinter der unterstützenden Haltung der Notenbank zurück. Diese Faktoren könnten das Aufwärtspotenzial bei Aktien und Anleihen begrenzen, dürften den positiven Trend infolge der geldpolitischen Neuausrichtung jedoch kaum umkehren. Wir werden die FPI-Flüsse eng verfolgen, die eine erste Erholung zeigen: In den letzten zwei Juniwochen lag der Nettozufluss in Schuldinstrumente bei knapp 1,5 Mrd. US-Dollar.
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