Die PBoC hat ein Overnight-Liquiditätsinstrument mit einem Zinssatz von 1,25% eingeführt – unterhalb der Konsensspanne von 1,30–1,35% und 15 Basispunkte unter dem maßgeblichen Sieben-Tage-Satz der Reverse Repos. Ziel ist es, die Finanzierungskosten am kurzen Ende zu senken und die Volatilität am Kassamarkt zu reduzieren. Parallel dazu führte sie Overnight-Reverse-Repo-Geschäfte im Umfang von 300 Mrd. ¥ durch, während sie den Sieben-Tage-Reverse-Repo-Referenzsatz unverändert bei 1,4% beließ. Damit wurde die Fazilität erstmals als Teil des Liquiditätsmanagements und der kurzfristigen Zinssteuerung eingesetzt.
Die Märkte reagierten verhalten. Die Renditen chinesischer Staatsanleihen gaben leicht nach, während USD/CNY um 0,106% auf 6,7932 fiel und die Rendite zehnjähriger CGBs um 1,2 Basispunkte auf 1,714% sank; auch Aktien legten zu, der CSI 300 stieg um 1,21% auf 4.927 Punkte. In den globalen Rentenmärkten wurde die Nachfrage nach Staatsanleihen als breit abgestützt beschrieben, angeführt von der Eurozone, dem Vereinigten Königreich und Indien, während sich Verkäufe auf philippinische, kolumbianische und japanische Staatsanleihen konzentrierten.
Ausblick für die Geldpolitik und Marktauswirkungen
Wir werten das neue Liquiditätsinstrument der People’s Bank of China als klares Signal einer moderaten geldpolitischen Lockerung. Der Satz von 1,25% wurde unter den Erwartungen angesetzt und deutet auf einen Schritt zur Senkung der kurzfristigen Finanzierungskosten hin. Die Maßnahme reagiert unmittelbar auf zuletzt schwache Konjunkturdaten und zielt darauf ab, die Geldmärkte zu stabilisieren.
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund, dass der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe im Mai 2026 auf 49,5 gefallen ist und damit den zweiten Monat in Folge im kontraktiven Bereich blieb. Zudem verlangsamte sich das Exportwachstum im vergangenen Monat auf nur 1,5%, verfehlte damit die Prognosen und unterstreicht ein schwieriges externes Umfeld. Dieses Konjunkturbild bestätigt unsere Einschätzung, dass die Behörden in den kommenden Wochen weiter unterstützend eingreifen werden.
Strategien für Währungen, Aktien und Zinsen
Für Devisenhändler gilt: Der Yuan wertete zunächst leicht auf, wir gehen jedoch davon aus, dass eine anhaltende Lockerung mittelfristig Abwärtsdruck auf die Währung ausüben wird. Der historische Präzedenzfall aus dem Lockerungszyklus 2015–2016 zeigt, dass der Yuan gegenüber dem US-Dollar um mehr als 8% abwertete. Entsprechend sollten wir den Kauf von USD/CNY-Call-Optionen in Erwägung ziehen, um uns für eine potenzielle graduelle Yuan-Schwäche zu positionieren.
Die dovishe Ausrichtung ist positiv für chinesische Aktien, da niedrigere Finanzierungskosten in der Regel Unternehmensgewinne und Bewertungen stützen. Die anfänglich positive Reaktion des CSI-300-Index spricht dafür, dass Call-Spreads auf China-fokussierte ETFs ein attraktives Chancen-Risiko-Profil bieten könnten. Diese Strategie ermöglicht es, an erwarteten Kursgewinnen zu partizipieren und zugleich das Abwärtsrisiko zu begrenzen.
Am Zinsmarkt signalisiert das erklärte Ziel der PBoC, Volatilität zu glätten, dass die Renditen chinesischer Staatsanleihen tendenziell weiter sinken könnten. Wir sehen eine Chance, dieses Umfeld über Futures auf zehnjährige Staatsanleihen zu spielen. Auch das Verkaufen von Volatilität in kurzfristigen Zinsinstrumenten kann eine sinnvolle Strategie sein – vor dem Hintergrund der expliziten Absicht der Notenbank, den Markt zu stabilisieren.
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