Rabobanks leitende FX-Strategin Jane Foley skizziert eine Neubewertung von EUR/USD, die den strukturellen Druck auf den US-Dollar von kurzfristigeren Zyklusfaktoren trennt, die ihn dennoch stützen können. Sie verweist auf robuste US-Arbeitsmarktdaten, eine stabile Konsumentennachfrage und Zuflüsse in US-Aktien als kurzfristige Stützpfeiler für den Greenback, während der Euro mit Gegenwind beim Wachstum und veränderten Positionierungen nach dem Iran-Krieg konfrontiert ist.
Die Bank erklärt, der Dollarindex DXY habe in diesem Monat auf den höchsten Niveaus seit dem Frühjahr des Vorjahres notiert – das schürt die Aussicht auf einen zyklischen Aufschwung, selbst wenn der längerfristige Trend abwärts gerichtet ist. Rabobanks Hausmeinung ist, dass die Fed die Zinsen bis zum Jahresende unverändert lässt; die jüngste Bewegung in EUR/USD hat jedoch bereits die bisherigen Orientierungsmarken in Frage gestellt: Das Währungspaar fiel Anfang des Monats unter die 1-Monats-Prognose von 1,15. Zudem heißt es, kurzfristige Zinsdifferenzen blieben ein zentraler Treiber am Devisenmarkt, und zyklische Kräfte könnten den Dollar über die relevanten Zeiträume in beide Richtungen bewegen.
Zyklische Divergenz zwischen USA und Eurozone
Wir sind der Ansicht, dass sich der US-Dollar gegenüber dem Euro in einem zyklischen Aufschwung befindet, auch wenn langfristige Trends anderes nahelegen. Der jüngste Bruch von EUR/USD unter die Marke von 1,1500 untermauert unseren Blick für die kommenden Wochen. Ausschlaggebend ist die klare Divergenz in der konjunkturellen Dynamik zwischen den Vereinigten Staaten und der Eurozone.
Die US-Wirtschaft zeigt weiterhin bemerkenswerte Stärke: Der Arbeitsmarktbericht für Mai wies einen kräftigen Stellenaufbau von 265.000 aus, während das Lohnwachstum solide blieb. Dieser robuste Arbeitsmarkt und starke Daten zum privaten Konsum geben der US-Notenbank wenig Anlass, Zinssenkungen in Betracht zu ziehen. Wir erwarten, dass diese geldpolitische Haltung den Dollar über den Sommer hinweg gut unterstützt.
Demgegenüber kämpft die Eurozone mit konjunkturellem Gegenwind: Die jüngste vorläufige Inflationsschätzung für Juni fiel auf nur 1,9%. Zudem signalisierten jüngste Stimmungsindikatoren aus der Wirtschaft – etwa der Ifo-Index in Deutschland – einen Rückgang des Vertrauens und deuten auf schleppendes Wachstum hin. Das erschwert es der Europäischen Zentralbank, einen restriktiveren Ton anzuschlagen.
Positionierungsstrategien und Marktausblick
Vor diesem Hintergrund positionieren wir uns über Optionen für weiteres Abwärtspotenzial in EUR/USD. Der Kauf von Puts mit einer Laufzeit von ein bis zwei Monaten bietet eine Möglichkeit mit definiertem Risiko, von einem möglichen Rückgang in Richtung des Bereichs um 1,1200 zu profitieren. Diese Strategie ist besonders attraktiv, weil sie eine klare Richtungsmeinung abbildet, während das Verlustrisiko auf die gezahlte Prämie begrenzt bleibt.
Die Folgen des Iran-Kriegs haben bereits eine Verschiebung der Marktpositionierung in Richtung des „Safe-Haven“-Dollars ausgelöst, doch wir sehen noch Spielraum für eine Fortsetzung dieses Trends. Die aktuelle implizite Volatilität in EUR/USD-Optionen ist nicht übermäßig hoch, sodass es weiterhin kosteneffizient ist, bärische Positionen aufzubauen. Wir sehen eine Gelegenheit, bevor der Markt eine längere Phase geldpolitischer Divergenz vollständig einpreist.
Historisch haben Phasen, in denen die Fed hart bleibt, während andere Zentralbanken weicher werden, zu ausgeprägten Dollar-Rallys geführt – ähnlich wie 2014–2015. Die sich ausweitende Zinsdifferenz zwischen US-Treasuries und deutschen Bundesanleihen bleibt der stärkste zyklische Treiber für die Devisenmärkte. Vorerst dürfte dieser Faktor die Kursbildung unmittelbarer beeinflussen als langfristige strukturelle Veränderungen.
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