WTI notierte am Montag nahe 70,00 US-Dollar und blieb damit nach einem Ausverkauf von fast 25 % in den vergangenen drei Wochen weitgehend unverändert. Die vorherige Talfahrt kam zum Stillstand, nachdem neue Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie widersprüchliche Signale zur Straße von Hormus die Märkte vorsichtig werden ließen. Berichten zufolge einigten sich beide Seiten darauf, die gegenseitigen Angriffe vom vergangenen Wochenende zu stoppen, doch die Perspektive für die Wiederaufnahme von Gesprächen blieb unklar: Axios zitierte US-Vertreter mit der Aussage, Gespräche seien für diese Woche angesetzt, während Irans Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi erklärte, es gebe keinen Plan für Treffen mit technischen US-Teams.
Auch der Zugang zur Straße von Hormus stand im Mittelpunkt der Unsicherheit. Iranische Behörden erklärten, Schiffe könnten die Passage frei nutzen, sofern sie eine Genehmigung Irans hätten. Gharibabadi schrieb zudem, Iran und Oman hätten die Souveränität über die Wasserstraße, und ergänzte, man habe sich jüngst getroffen, um den Schiffsverkehr zu besprechen. CNN berichtete, die US-Marine habe ihre Warnstufe für Schiffe von „signifikant hoch“ aufgehoben, während die UKMTO (UK Maritime Trade Operations) ihr Bedrohungsniveau nach jüngsten Angriffen auf Handelsschiffe auf „substanziell“ angehoben habe, wie Euronews meldete. Der vorherige Rückgang hatte den Großteil der zuvor erzielten Gewinne wieder ausgelöscht, nachdem Fortschritte in den US-Iran-Friedensgesprächen die Erwartungen an eine rasche Wiederöffnung der Straße von Hormus gestützt hatten.
Geopolitische Spannungen und Marktunsicherheit
Da sich US-Leichtöl der Sorte West Texas Intermediate um 70 US-Dollar hält, sehen wir den Markt an einem kritischen Wendepunkt. Der deutliche Preisrückgang von 25 % in den vergangenen Wochen scheint aufgrund erneut aufflammender geopolitischer Reibungen zunächst pausiert zu haben. Dadurch entsteht ein angespanntes Gleichgewicht zwischen bearish geprägter Dynamik und dem Potenzial für eine kräftige, nachrichtengetriebene Rally.
Wir beobachten die Lage in der Straße von Hormus sehr genau. Die erhöhten Alarmstufen der US-Marine und der britischen Seeschifffahrtsbehörden sind nicht bloß Hintergrundrauschen; sie signalisieren ein reales Risiko von Lieferunterbrechungen an einem Nadelöhr, über das rund ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs abgewickelt wird. Jede weitere Eskalation zwischen den USA und dem Iran könnte die Preise резко nach oben treiben – unabhängig von den übergeordneten Fundamentaldaten.
Marktgrundlagen und Volatilitätsstrategien
Trotz dieser Spannungen stellen wir fest, dass die jüngsten Fundamentaldaten auf Marktschwäche hindeuten. Erst vergangene Woche meldete die Energy Information Administration (EIA) einen überraschenden Aufbau der Rohölbestände um 3,7 Millionen Barrel, was auf eine schwächere Nachfrage als erwartet schließen lässt. Das deckt sich mit jüngsten globalen Prognosen der IEA, die ihren Ausblick für das Nachfragewachstum 2026 nach unten revidiert hat und dabei auf eine Abschwächung in wichtigen Volkswirtschaften verweist.
Auch Entscheidungen von OPEC+ bleiben ein wesentlicher Faktor, der den Preisen einen Boden geben kann. Die jüngste Vereinbarung, freiwillige Förderkürzungen von 2,2 Millionen Barrel pro Tag zu verlängern, bietet eine gewisse Unterstützung gegen einen vollständigen Preisverfall. Allerdings dürfte diese Maßnahme ohne eine spürbare Veränderung im Nachfragebild oder einen echten Angebotsschock kaum ausreichen, um eine neue Rally auszulösen.
Angesichts der widersprüchlichen Signale halten wir es für den besten Ansatz, die erwartete Volatilität zu handeln, statt auf eine klare Richtung zu setzen. Dieser Markt ist reif für eine größere Bewegung, und Optionsstrategien wie Straddles oder Strangles könnten sich als effektiv erweisen. Solche Positionen profitieren von einer kräftigen Preisbewegung in beide Richtungen – was derzeit wahrscheinlicher erscheint, als dass die Seitwärtsphase anhält.
Historisch haben ähnliche geopolitische Aufflammungen plötzliche und ausgeprägte Preisspitzen ausgelöst, wie Anfang 2022 zu beobachten war. Auch wenn das fundamentale Nachfragebild weich wirkt, könnte ein einzelner Vorfall in der Straße von Hormus dies kurzfristig leicht in den Hintergrund drängen. Daher erscheint es sinnvoll, einen gewissen Schutz nach oben über Call-Optionen vorzuhalten – selbst für Anleger mit langfristig bearish ausgerichteter Sicht.
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