Die Inflation im Euroraum erhält kurzfristig Entlastung, da die Ölpreise in Richtung des Vorkriegsniveaus zurückkehren und damit die Tail-Risiken für Wachstum, Inflation und Zinsvolatilität sinken. Dennoch gilt das Disinflationstempo als zu langsam, um den restriktiven Kurs der Europäischen Zentralbank zu ändern. Früh-Juni-Daten aus Spanien und Belgien deuten auf einen möglichen ersten Rückgang des HVPI im Euroraum seit Kriegsbeginn hin; die nächsten Datenpunkte werden aus Deutschland und für die Währungsunion erwartet.
Der Impuls dürfte vor allem von Energie kommen: Die Gesamtinflation im Euroraum wird bei 3,0% nach 3,2% erwartet, während die Kernrate bei 2,5% liegen soll. Das Bild bei den zugrunde liegenden Preisdynamiken bleibt unsicher, da die EZB weiterhin betont, dass der Dienstleistungsinflationsdruck noch zunimmt. Ölbewegungen zu Wochenbeginn könnten das Signal aus den nationalen Veröffentlichungen überlagern, während Verstöße gegen Waffenruhen im Nahen Osten neue Energieschocks auf dem Radar halten. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sagte, ein Friedensabkommen würde negative Szenarien weniger wahrscheinlich machen, warnte jedoch, dass ein Energieschock die Inflationsdynamik verbreitern könne und dass bei Nahrungsmitteln, Gütern und Dienstleistungen Aufwärtsrisiken bestehen.
Ölpreis-Rückgang und geldpolitischer Ausblick der EZB
Wir sehen einen potenziellen Rückgang der Inflation im Euroraum, vor allem weil die Ölpreise nachgegeben haben. Brent notiert inzwischen bei rund 85 US-Dollar je Barrel, nach über 100 US-Dollar zu Beginn des Jahres, was den Druck auf die Headline-Zahlen mindern dürfte. Die Europäische Zentralbank bleibt jedoch wegen des zugrunde liegenden Preisdrucks besorgt und dürfte ihren restriktiven Kurs vorerst nicht ändern.
Die EZB mahnt zur Vorsicht, da sie weiterhin einen Aufbau des Inflationsdrucks im Dienstleistungssektor sieht. Da jüngste Daten zeigen, dass die Tariflöhne um mehr als 4,5% steigen, befürchtet die Notenbank, dass dies die Kerninflation länger hartnäckig hoch hält. Das spricht dafür, dass die EZB die Zinsen länger auf einem höheren Niveau belässt, als der Markt derzeit erwartet.
Marktchancen und Risikomanagement
Für Derivatehändler ergibt sich daraus eine Chance in den Zinsmärkten. Der Markt könnte zu schnell Zinssenkungen allein aufgrund niedrigerer Ölpreise einpreisen. Wir sehen Wert in Positionierungen, die darauf setzen, dass kurzfristige Zinsen – etwa die in Euribor-Futures impliziten Sätze – bis Jahresende und bis in das frühe Jahr 2027 hinein erhöht bleiben.
Diese Divergenz aus sinkender Headline-Inflation und einer restriktiven Zentralbank ist ein Nährboden für Volatilität. Wir erwarten unruhige Märkte; der Kauf von Optionen auf Indizes wie den Euro Stoxx 50 erscheint daher sinnvoll, zumal der Volatilitätsindex V2X unter 20 liegt und damit auf eine gewisse Sorglosigkeit hindeutet. Ähnliche Strategien auf Währungspaare wie EUR/USD könnten ebenfalls gut funktionieren, während Händler über den künftigen Zinskurs diskutieren.
Zudem müssen die Ölpreise eng beobachtet werden, da eine Eskalation geopolitischer Spannungen den jüngsten Rückgang rasch umkehren könnte. Der Markt scheint das Risiko von Angebotsstörungen, wie in jüngsten Berichten thematisiert, zu niedrig zu bewerten. Der Kauf günstiger, weit aus dem Geld liegender Call-Optionen auf Brent könnte eine sinnvolle Absicherung gegen einen unerwarteten Preissprung in den kommenden Wochen sein.
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