Die Strategen der Société Générale werteten Umfrageantworten des World Gold Council sowie Flüsse am physischen Markt aus, um die Goldnachfrage der Zentralbanken zu schätzen. Seit Jahresbeginn liegen die Nettokäufe bei +40 Tonnen, wobei auf die Türkei und Polen zwei Drittel des Gesamtvolumens entfallen; die Bank rechnet ab Q4 2026 mit einer Rückkehr „sichtbarer“ Käufe. Um Absichten und tatsächliche Umsetzung besser in Einklang zu bringen, konzentriert sich die Analyse auf ein Sechs-Monats-Fenster nach der Umfrage statt auf ein volles Jahr – mit dem Argument, dass dieser Zeithorizont besser zur Portfoliosichtbarkeit passt.
Auf dieser Basis deuten Regressionsschätzungen aus der Umfrage 2026 auf weitere ca. 100–120 Tonnen Käufe im restlichen Jahresverlauf hin – etwa doppelt so viel wie in den ersten vier Monaten. Als Flow-Indikatoren neben der Umfrage dienen u. a. Bewegungen in LBMA-Tresoren sowie britische Exportdaten: Im Modell entspricht ein Anstieg der Tresorbestände um 20 Tonnen Exporten von rund 61 Tonnen; das liegt unter dem Durchschnitt nach 2022 von 73 Tonnen, aber über dem 53-Tonnen-Durchschnitt seit 2015 für diesen Zeitpunkt im Jahr. Die Notiz verknüpft zudem die Goldpreisbildung mit US-Realrenditen: Die 10-jährigen Realrenditen sollen bis Q3 über 2% bleiben, bevor sie zum Jahresende sowie in H1 2027 nachgeben.
Ausblick und Trading-Strategien für Gold im Sommer 2026
Angesichts des Stichtags 29. Juni 2026 erwarten wir für Gold über den Sommer eine neutrale Tendenz. Die US-Realrenditen zehnjähriger Laufzeit halten sich stabil über 2% und machen nichtverzinsliche Anlagen wie Gold vorerst weniger attraktiv. Das spricht dafür, dass sich die Goldpreise in den kommenden Wochen eher seitwärts in einer Handelsspanne bewegen.
Für Derivatehändler ist dieses Umfeld gut geeignet für Strategien mit Prämieneinnahmen, etwa den Verkauf gedeckter Calls gegen bestehende Positionen oder das Aufsetzen von Iron Condors. Solche Positionen profitieren von niedriger Volatilität und dem Zeitwertverfall. Vom kurzfristigen Kauf „nackter“ Call-Optionen würden wir abraten, da sie bei der von uns erwarteten Seitwärtsbewegung wertlos verfallen könnten.
Trends der Zentralbanknachfrage und Positionierung für den Herbst 2026
Unter der Oberfläche dürfte die Zentralbanknachfrage allerdings im weiteren Jahresverlauf wieder anziehen. Die bislang verhaltenen „sichtbaren“ Käufe 2026 folgen auf Rekordjahre 2022 und 2023, in denen Zentralbanken jeweils über 1.000 Tonnen hinzugekauft haben. Wir rechnen vor Jahresende mit zusätzlichen 100–120 Tonnen offizieller Käufe, was den Preisen eine belastbare Untergrenze geben sollte.
Wir beobachten physische Marktsignale wie Abflüsse aus LBMA-Tresoren und einen Anstieg der britischen Goldexporte. Ein nachhaltiger Anstieg der monatlichen UK-Exporte über 60 Tonnen wäre eine starke Bestätigung dafür, dass große institutionelle Käufer in den Markt zurückkehren. Das wäre ein Frühindikator für die erwartete Preisstärke im vierten Quartal.
Entsprechend dürfte sich unsere Strategie in Richtung Herbst konstruktiver bis bullisher ausrichten. Sollten sich Anzeichen mehren, dass die US-Notenbank angesichts nachlassender Konjunkturdaten umschwenkt, dürften die Realrenditen zu fallen beginnen. Darauf würden wir mit länger laufenden Call-Optionen oder Bull-Call-Spreads setzen, um von einer erwarteten Aufwärtsbewegung in Richtung 2027 zu profitieren.
Beginnen Sie jetzt mit dem Trading — klicken Sie hier, um Ihr echtes VT Markets-Konto zu erstellen.