HSBC beschreibt Vietnams Wirtschaft als dynamisch wachsend, verweist jedoch auf zunehmende externe und preisliche Belastungen. Das Wachstum hat sich gegenüber 8% im Vorjahr abgeschwächt, lag aber im 1Q26 weiterhin bei 7,8% gegenüber dem Vorjahr. Die Exporte stiegen auf Jahresto-date-Basis im Durchschnitt um fast 20% gegenüber dem Vorjahr, getrieben von Elektronik. Die Importe legten jedoch auf derselben Basis um 30% gegenüber dem Vorjahr zu, was die importintensive Struktur der Industrieproduktion widerspiegelt und zu einer schwächeren Handelsposition beiträgt.
Seit Dezember 2025 verzeichnet das Land jeden Monat ein Handelsdefizit, das sich im Mai auf einen Rekordwert von 5,2 Mrd. US-Dollar ausweitete und damit den Puffer in der Leistungsbilanz schmälert. Die Inflation stieg im Mai auf 5,6% und lag damit den dritten Monat in Folge über der Obergrenze der State Bank of Vietnam von 4,5%; als Treiber werden höhere Benzinpreise und steigende Lebensmittelkosten genannt. HSBC senkte seine Prognose für den externen Überschuss und hob die Inflationsprognose für 2026 an.
Ausblick für die Geldpolitik und Auswirkungen auf die Währung
Da die Inflation im Mai mit 5,6% den dritten Monat in Folge deutlich über der 4,5%-Obergrenze lag, erwarten wir, dass die State Bank of Vietnam (SBV) zum Handeln gezwungen sein wird. Die Haupttreiber sind nicht nur Öl, sondern auch steigende Lebensmittelpreise, was darauf hindeutet, dass der Preisdruck breiter wird. Das macht eine geldpolitische Reaktion – vermutlich eine Zinserhöhung – in den kommenden Wochen nahezu unausweichlich.
Die Kombination aus anhaltend hoher Inflation und einem sich ausweitenden Handelsdefizit, das im Mai einen Rekord von 5,2 Mrd. US-Dollar erreichte, setzt den Vietnamesischen Dong deutlich unter Druck. Wir sehen eine klare Gelegenheit, über Non-Deliverable Forwards eine Long-Position im USD/VND einzugehen. Historisch geht eine sich verschlechternde Handelsbilanz in Verbindung mit steigender Inflation häufig einer Währungsabwertung voraus – selbst in Volkswirtschaften mit hohem Wachstum.
Implikationen für Zinsen, Derivate und Aktien
Angesichts der Wahrscheinlichkeit einer restriktiveren SBV-Politik erwarten wir einen Anstieg der kurzfristigen Zinsen. Nach den jüngsten Daten des General Statistics Office blieb der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe im Mai 2026 mit 51,2 im Expansionsbereich, zugleich beschleunigte sich jedoch die Inputkosteninflation, was die Argumente für eine Zinserhöhung untermauert. Derivatehändler sollten erwägen, sich über Zinsswaps entsprechend zu positionieren, um von der erwarteten geldpolitischen Wende zu profitieren.
Während ein starkes BIP-Wachstum von 7,8% normalerweise positiv für Aktien wäre, stellt die Aussicht auf höhere Finanzierungskosten einen deutlichen Gegenwind für den VN-Index dar. Zudem ist die globale Risikostimmung fragiler geworden: Der VIX-Index ist in den vergangenen zwei Wochen um 5% gestiegen – aus Sorge vor anhaltender globaler Inflation. Daher würden wir Optionen nutzen, um bestehende Long-Aktienpositionen abzusichern oder auf den erwarteten Anstieg der Marktvolatilität zu setzen.
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