Volkmar Baur von der Commerzbank sagte, dass niedrigere Ölpreise und sinkende Inflationserwartungen die Zinsbepreisung nicht wesentlich verändert hätten. Die Märkte preisen weiterhin mindestens eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank bis zum Jahresende ein sowie das von ihm beschriebene Leitzinsniveau von 2,5%. Im Gegensatz dazu wird bei der EZB nur noch ein weiterer Schritt auf 2,5% erwartet. Die Inflationserwartungen seien seiner Darstellung nach in den vergangenen zwei Wochen gesunken und lägen nun unter dem Niveau zu Jahresbeginn – dennoch hätten sich die Fed-Erwartungen nicht abgeschwächt.
Überarbeitete US-BIP- und Einkommensdaten wurden als Hinweis auf ein stabileres Umfeld beschrieben, das den US-Dollar stützen kann. Im jüngsten Quartal lag das BIP-Wachstum bei 2,1%, während der private Konsum – knapp 70% des BIP – lediglich 40 Basispunkte beisteuerte. Die Zusammensetzung der Investitionen wirkte uneinheitlich: „Datenverarbeitungsgeräte“ stehen für 3% des BIP, lieferten aber mehr als die Hälfte des Wachstums. Diese Dynamik wird mit dem Risiko schuldenfinanzierter Tech-Investitionen in Verbindung gebracht – auch wenn die Dollarstärke anhalten könnte.
US-Dollar gestützt durch Zinsdifferenzen und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit
Ausgehend vom aktuellen Ausblick vom 26. Juni 2026 erwarten wir, dass die Stärke des US-Dollars noch eine Weile anhält. Der Markt preist mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens eine weitere Zinserhöhung der Fed bis zum Jahresende ein – ein deutlicher Gegensatz zur Europäischen Zentralbank, die offenbar deutlich näher an ihrem Zinsgipfel ist. Nach Stand von heute Morgen signalisiert das CME FedWatch Tool eine Wahrscheinlichkeit von 65% für eine weitere Anhebung bis zur September-Sitzung des FOMC, was diese dollarpositive Einschätzung untermauert.
Obwohl die Ölpreise nachgegeben haben, stützen die jüngsten Inflationsdaten den vorsichtigen Kurs der Fed. Der jüngste Kern-VPI für Mai 2026 lag mit 3,1% auf einem hartnäckig hohen Niveau, leicht über den Erwartungen, und zeigt, dass der zugrunde liegende Preisdruck nicht schnell nachlässt. Deshalb bleiben die Erwartungen an Zinserhöhungen stabil, zumal die Fed signalisiert hat, sich nicht allein von sinkenden Energiepreisen umstimmen zu lassen.
Auch die US-Wirtschaft zeigt eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit, was der Fed mehr Spielraum gibt, die Geldpolitik straff zu halten. Die finale Revision für das BIP im ersten Quartal wurde gerade veröffentlicht und weist ein Wachstum von 2,2% aus – etwas höher als die ursprüngliche Schätzung von 2,1%. Auch wenn ein Großteil davon durch Tech-Investitionen getrieben ist, zeichnet dies dennoch das Bild einer Wirtschaft, die höhere Zinsen besser verkraften kann als viele ihrer Pendants.
Implikationen für Märkte und Handelsstrategien
Ein Blick auf den Straffungszyklus 2022–2023 liefert einen nützlichen Anhaltspunkt für das, was als Nächstes passieren könnte. In dieser Phase trieb die aggressive geldpolitische Divergenz der Fed gegenüber anderen Zentralbanken den US-Dollar-Index (DXY) auf Zwei-Dekaden-Hochs. Ein ähnliches, wenn auch weniger ausgeprägtes Muster zeichnet sich nun ab und spricht erneut für den Dollar.
Für Trader deutet dieses Umfeld auf eine Positionierung für anhaltende Dollarstärke und potenzielle Zinsvolatilität hin. Wir halten Strategien wie den Kauf von USD-Call-Optionen gegenüber dem Euro (EUR) oder dem japanischen Yen (JPY) für attraktiv. Zudem könnte es sinnvoll sein, über Derivate darauf zu setzen, dass der Secured Overnight Financing Rate (SOFR) bis zum Jahresende auf erhöhtem Niveau bleibt.
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