EUR/USD zog am Donnerstag im frühen europäischen Handel leicht auf rund 1,1370 an, nachdem die Märkte begonnen hatten, eine mögliche US-Zinserhöhung bereits für September einzupreisen. Auslöser war die vergangene Woche geäußerte hawkische Botschaft von Kevin Warsh als neuem Vorsitzenden der US-Notenbank. Später in der Sitzung richtet sich die Aufmerksamkeit auf den US-Bericht zu den persönlichen Konsumausgaben (PCE), der für einen vorsichtigeren Ton sorgen könnte.
Für die Gesamt-PCE-Inflation wird im Mai ein Anstieg um 4,1% gegenüber dem Vorjahr erwartet (nach 3,8%), während die Kern-PCE-Rate bei 3,4% nach 3,3% im April gesehen wird; ein stärkerer Wert würde die Erwartungen an weitere Straffungen untermauern und den US-Dollar gegenüber dem Euro stützen. Technisch bleibt das Währungspaar unter Druck: Es notiert unter dem 20-Tage-Bollinger-SMA und deutlich unter dem 100-Tage-Durchschnitt. Das untere Band liegt in der Nähe von 1,1351, während der Relative-Stärke-Index (14) mit 28,3 im überverkauften Bereich liegt. Unterstützung findet sich um 1,1350, danach bei 1,1300; Widerstände werden bei 1,1411, 1,1530 und 1,1650 gesehen.
Zentralbank-Divergenz und Auswirkungen der Geldpolitik
Wir sehen das EUR/USD-Paar heute Morgen in der Nähe von 1,0750; der zentrale Treiber ist die geldpolitische Spaltung zwischen den Notenbanken. Die Federal Reserve zögert angesichts hartnäckiger Inflation weiterhin mit Zinssenkungen, während die Europäische Zentralbank bereits am 6. Juni eine Zinssenkung eingeleitet hat. Diese Divergenz übt strukturellen Druck auf den Euro aus.
Der Fokus richtet sich nun vollständig auf den anstehenden US-Inflationsbericht zu den persönlichen Konsumausgaben (PCE). Wir erwarten, dass die Kern-PCE-Rate – das bevorzugte Inflationsmaß der Fed – bei 2,7% gegenüber dem Vorjahr liegen wird. Das wäre eine leichte Abschwächung, jedoch weiterhin deutlich über dem Ziel der Fed. Ein höher als erwarteter Wert würde das Narrativ „höher für länger“ bei den Zinsen stützen und den US-Dollar voraussichtlich beflügeln.
Technischer Ausblick und wichtige Marken
Aus technischer Sicht stellen wir fest, dass EUR/USD weiterhin unter seinem 50-Tage-Durchschnitt kämpft, was den übergeordneten Ausblick bearish hält. Der Relative-Stärke-Index (RSI) verharrt knapp über der überverkauften Marke von 30. Das deutet darauf hin, dass der Abwärtstrend zwar fortgeschritten ist, aber noch kein starkes Umkehrsignal vorliegt. In diesem Umfeld kann es für Optionshändler eine potenziell tragfähige Strategie sein, kurzfristige Erholungen zu verkaufen.
Für den Handel mit Derivaten beobachten wir in den kommenden Wochen zentrale Marken für die Positionierung. Die unmittelbare Unterstützung liegt am psychologisch wichtigen Niveau von 1,0700; ein klarer Bruch darunter könnte den Weg in Richtung der Jahrestiefs nahe 1,0650 öffnen. Jede Aufwärtsbewegung dürfte auf erheblichen Widerstand im Bereich 1,0810 treffen, der dem 50-Tage-Durchschnitt entspricht.
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