Irans Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) erklärte, eine sichere Passage durch die Straße von Hormus werde nur entlang von Iran festgelegter Routen gestattet. Zudem teilte das IRGC mit, jede neu angekündigte Schifffahrtsroute ohne Abstimmung mit Iran sei „inakzeptabel und gefährlich“, und betonte, dass für Transits eine Koordination mit der IRGC-Marine über Kanal 16 verpflichtend sei. Gleichzeitig warnte es, Schiffe, die gegen die Transit-Anweisungen verstießen, müssten mit Maßnahmen rechnen.
Die Ölpreise reagierten kaum. WTI notierte um 69 US-Dollar, knapp 1% im Tagesminus, und wurde als nahezu wieder auf Vorkriegsniveau beschrieben – trotz der Aussagen.
Diskrepanz zwischen geopolitischem Risiko und Ölmarkt-Bewertung
Wir beobachten eine deutliche Diskrepanz zwischen geopolitischem Risiko und Marktbepreisung. Die IRGC spricht direkte Drohungen aus, den weltweit wichtigsten Öl-Engpass kontrollieren zu wollen – dennoch handelt WTI-Rohöl ruhig nahe 69 US-Dollar je Barrel. Diese Sorglosigkeit eröffnet Tradern in den kommenden Wochen eine klare Chance.
Der Markt scheint zu ignorieren, dass nahezu 21 Millionen Barrel Öl – rund 20% des weltweiten täglichen Verbrauchs – durch die Straße von Hormus transportiert werden. Aktuelle Daten der US-Energiebehörde EIA bestätigen, dass dieses Volumen auch in der ersten Hälfte 2026 weitgehend konstant geblieben ist. Jede Störung, selbst nur für ein bis zwei Tage, hätte unmittelbare und gravierende Auswirkungen auf das globale Angebot.
Niedrige Volatilität und Trading-Chancen trotz Angebotsrisiken
Vor diesem Hintergrund halten wir die Risikobewertung des Marktes für falsch. Die implizite Volatilität am Ölmarkt ist ungewöhnlich niedrig; der OVX-Index bewegt sich um 28 – ein deutlicher Kontrast zu Niveaus über 50, wie sie in früheren Phasen erhöhter Spannungen im Nahen Osten zu beobachten waren. Das macht den Kauf von Call-Optionen auf WTI oder Brent derzeit besonders attraktiv.
Gegen eine vergleichsweise geringe Prämie können Trader an erheblichen Aufwärtspotenzialen partizipieren. Wir richten den Blick auf Out-of-the-money-Calls mit Laufzeiten im August und September 2026. Eine kleine, kalkulierte Position könnte hohe Renditen liefern, falls die Drohungen Irans eskalieren – oder selbst wenn es nur zu einem kleineren Zwischenfall kommt.
Die Historie zeigt, wie schnell sich solche Lagen verändern können. Ein Blick in den Sommer 2019 genügt: Eine Reihe kleinerer Tankerangriffe in der Region ließ die Ölpreise an einem einzigen Tag um mehr als 5% steigen. Die aktuelle Rhetorik der IRGC ist deutlich direkter als damals.
Der Markt konzentriert sich derzeit auf verhaltene Nachfrageprognosen der IEA vor dem Hintergrund einer sich abkühlenden Weltwirtschaft, was die Preise deckelt. Dieser Fokus schafft jedoch einen blinden Fleck für einen möglichen Angebotsschock aus der Straße von Hormus. Jede tatsächliche Maßnahme der IRGC zur Durchsetzung der ausgerufenen Routen könnte die Ölpreise leicht über 85 US-Dollar je Barrel treiben.
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