Der Euro gab gegenüber dem Dollar nach, da sich die Renditedifferenzen zwischen der Eurozone und den USA weiter ins negative Terrain ausweiteten und sich die Marktbepreisung in Richtung einer restriktiveren („hawkisheren“) Haltung der US-Notenbank Fed verschob, während die Erwartungen an die Europäische Zentralbank weitgehend unverändert blieben. Ein Fair-Value-Indikator auf Basis des zweijährigen Renditeabstands Deutschland–USA folgte dem Rückgang des Spotkurses EUR/USD und untermauerte die Sicht, dass Zinsdifferenzen die Bewegung treiben. In der nordamerikanischen Sitzung am Mittwoch lag der Euro 0,4% gegenüber dem Dollar im Minus und wurde in einer breiteren Phase der Dollarstärke als Mittelfeld-Performer eingeordnet.
Technisch deuten die kurzfristigen Signale nach unten. Der RSI liegt unter 30 und lässt das Paar deutlich überverkauft erscheinen; der jüngste Bruch nach unten trifft vor 1,12 auf wenig nennenswerte Unterstützung. Der kurzfristige Handel wurde als seitwärts in einer Spanne zwischen 1,1300 und 1,1400 beschrieben, während Widerstand oberhalb von 1,1450 gesehen wurde.
Fundamentale Treiber hinter der Euro-Schwäche
Wir sehen den jüngsten Rückgang des Euro gegenüber dem Dollar als fundamental getrieben und wahrscheinlich anhaltend. Der Kernpunkt ist die zunehmende Lücke zwischen den Zins- und Zinserwartungen in den USA und der Eurozone. Diese Divergenenz macht das Halten von Dollar attraktiver als das Halten von Euro.
Die jüngsten US-Inflationsdaten von vor zwei Wochen lagen mit 3,1% leicht über den Prognosen und führten zu restriktiven Kommentaren von Fed-Vertretern, wonach die Zinsen länger hoch bleiben könnten. Demgegenüber blieb die zuletzt gemeldete HVPI-Inflation in der Eurozone mit 2,4% stabil, was der EZB keinen Anlass gibt, von ihrem stetigen Kurs abzuweichen. Das untermauert die Argumente für einen stärkeren Dollar.
Diese Politikdifferenz spiegelt sich am Anleihemarkt wider: Der Spread zwischen zweijährigen deutschen und US-Staatsanleiherenditen hat sich auf -1,75 Prozentpunkte ausgeweitet – der breiteste Abstand seit über einem Jahr. Historisch hat ein derart ausgeprägt negativer Spread den EUR/USD-Kurs wiederholt nach unten gedrückt. Eine ähnliche Dynamik trieb das Währungspaar 2022 in Richtung Parität.
Technischer Ausblick und Handelsstrategie
Angesichts der deutlich überverkauften technischen Indikatoren könnten sich kleine, kurzlebige Gegenbewegungen ergeben, diese sollten jedoch als Gelegenheiten verstanden werden. Wir halten es für eine sinnvolle Strategie, aus dem Geld liegende Call-Optionen zu verkaufen oder Bear-Call-Spreads mit Ausübungspreisen oberhalb von 1,1450 aufzubauen. Dieser Ansatz nutzt den erwarteten Abwärtstrend und begrenzt zugleich das Risiko gegenüber unerwarteten kurzfristigen Erholungen.
Vorerst bleibt unser Fokus auf dem Weg in Richtung der Unterstützungsmarke bei 1,1200. Jede Erholung, die es nicht schafft, die Widerstandszone 1,1400–1,1450 zu überwinden, würde unsere bärische Einschätzung bestätigen. Für weitere Bestätigung werden wir den anstehenden US-PCE-Inflationsbericht in der kommenden Woche genau beobachten.
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