WTI setzte seinen Rückgang am Mittwoch fort und notierte zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes bei rund 69,70 US-Dollar, ein Minus von 4,40 %, nachdem zuvor das niedrigste Niveau seit dem 2. März erreicht worden war. Der US-Referenzpreis hat einen Großteil der geopolitischen Risikoprämie abgebaut, die seit Beginn des Israel-Iran-Krieges eingepreist war, und nähert sich wieder dem Vor-Krisen-Bereich um 67 US-Dollar. Der Verkaufsdruck nahm zu, als die Sorgen vor anhaltenden Störungen der Energieexporte aus dem Golf nachließen, während maritime Tracking-Daten mehr Schiffe zeigten, die die Straße von Hormus passieren – ein Zeichen dafür, dass sich die Handelsströme normalisieren, auch wenn das Verkehrsaufkommen weiterhin unter dem Vorkrisenniveau liegt.
Auch die Diplomatie über eine langfristige Governance der Meerenge kam voran: Katar und Oman schlugen einen Rahmen vor, der Iran, die Golfstaaten und den Irak zusammenbringen würde. Parallel dazu gewährten die USA eine befristete 60-Tage-Ausnahmegenehmigung, die internationalen Käufern und US-Raffinerien die Wiederaufnahme von Käufen iranischen Rohöls erlaubt – damit steigen die Erwartungen an zusätzliches Angebot in den kommenden Wochen. ING berichtete, dass die durch Hormus transportierten Volumina weiterhin deutlich unter dem Niveau vor dem Konflikt liegen, und erklärte, der Ölmarkt zeige Anzeichen einer Verknappung; TD Securities wiederum sagte, die schwimmenden Rohöllagerbestände im Golf seien in den vergangenen Wochen deutlich gefallen. Zudem beobachten die Märkte die US-Iran-Gespräche über Nuklearinspektionen: Präsident Donald Trump sagte, Iran habe zugestimmt, IAEA-Inspektoren zurückkehren zu lassen, iranische Offizielle erklärten jedoch, es sei kein Zeitplan festgelegt worden.
Geopolitische Risiken und Angebotsdynamik
Wir beobachten, dass West Texas Intermediate (WTI) deutlich fällt und inzwischen im unteren Bereich der 70-US-Dollar-Zone handelt, nachdem es das mittlere 80-US-Dollar-Niveau von Anfang dieses Jahres nicht halten konnte. Dieser Rückgang spiegelt eine Entspannung der geopolitischen Risikoprämie wider, die aufgrund der jüngsten Spannungen im Nahen Osten eingepreist worden war. Da die US-Rohölproduktion mit über 13 Millionen Barrel pro Tag weiter robust bleibt, richtet sich der Fokus des Marktes wieder stärker auf die fundamentalen Angebotsfaktoren.
Die negative Stimmung wird durch Anzeichen einer nachlassenden globalen Nachfrage verstärkt – insbesondere, da jüngste Konjunkturdaten aus Asien auf einen schwächeren Wachstumsausblick hindeuten. In Kombination mit einer vorübergehenden Lockerung der Sanktionsdurchsetzung, die mehr Angebot auf den Markt gebracht hat, entsteht erheblicher Abwärtsdruck auf die Preise. Wir gehen davon aus, dass der Weg des geringsten Widerstands kurzfristig nach unten führt, sobald dieses Angebots-Nachfrage-Bild vollständig eingepreist ist.
OPEC+, Marktverknappung und Handelsstrategien
Wir halten es jedoch für möglich, dass dieser Ausverkauf die zugrunde liegende Marktverknappung durch große Produzenten unterschätzt. OPEC+ hat signalisiert, die Förderkürzungen weit ins kommende Jahr hinein beizubehalten, was einen belastbaren Boden gegen einen vollständigen Preiseinbruch schafft. Zudem verfügt der Markt über einen deutlich kleineren Puffer, um unerwartete Angebotsschocks abzufedern, da die US Strategic Petroleum Reserve nach den umfangreichen Freigaben im Jahr 2022 weiterhin nahe 40-Jahres-Tiefs liegt.
Vor diesem Hintergrund hoher Unsicherheit und widersprüchlicher Narrative ist die implizite Volatilität bei Öloptionen gestiegen. Wir sehen eine Chance darin, Prämien zu vereinnahmen – etwa über Strategien wie Iron Condors oder Short Strangles – und darauf zu setzen, dass der Preis eine neue, stabile Handelsspanne findet, statt den freien Fall fortzusetzen. Dieser Ansatz ermöglicht es uns, von der Zeitwertkomponente zu profitieren, während der Markt die jüngsten Nachrichten verarbeitet.
In den kommenden Wochen richten wir unseren Blick auf die wöchentlichen Lagerdaten der Energy Information Administration (EIA), um Hinweise darauf zu erhalten, ob die Sommernachfrage stärker ausfällt als erwartet. Ein deutlicher und unerwarteter Rückgang der Rohöllagerbestände wäre das erste Signal, dass dieser Abwärtstrend ausgereizt ist. Zudem positionieren wir uns, Kalender-Spreads zu nutzen, um auf eine spätere Preiserholung im Jahresverlauf zu setzen, sobald die aktuellen Überangebotsängste nachlassen.
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